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Maas in Israel : Während die Sirenen noch heulen

Feind Iran: Benjamin Netanjahu (rechts) zeigt Heiko Maas Trümmer einer abgeschossenen Drohne. Bild: Imago

Außenminister Maas reist nach Israel. Er kommt als Freund, der Beistand leistet. Aber er will von Israelis und Palästinensern wissen: Was könnte den Gaza-Konflikt beenden?

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          Als der israelische Außenminister seinen Amtskollegen aus Berlin samt Delegation in einen Häuserdurchgang führt, knirschen unter ihren Schuhen die Glassplitter. Die Hauswände sind verrußt. Auf dem Boden steht ein verbeulter Wäscheständer. Der Blick geht zu einem Hula-Hoop-Reifen – er ist zerborsten. Die vier Autos, die ums Eck im ebenerdigen Unterstand des Mietshauses parken, sind ausgebrannt. Die Rakete riss bei ihrem Einschlag ein mannshohes Loch in die Wand aus Hohlblocksteinen. Das Feuer verbrannte anschließend auch die Dattelpalme neben dem Haus. Fünf Bewohner wurden durch umherfliegende Glassplitter verletzt und durch die Rauchgase vergiftet. Das war vor einer Woche.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Fünf Minuten vor der Besichtigung des Ortes, wo die Rakete der Hamas eingeschlagen war, hatten Heiko Maas und Gabi Ashkenazi in Petach Tikwa östlich von Tel Aviv noch eine Straßenkreuzung weiter in der Sonne gesessen. Dort hatten sie einem kurzen, improvisierten Briefing des Kommandeurs des israelischen Bevölkerungsschutzes zugehört. Vor ihnen standen Datteln, Melonenscheiben und Sandwiches auf den Tischen. Der Kommandeur zeigte auf einem großen Monitor die Statistiken der Angriffe aus dem Gazastreifen. Noch nie habe die Hamas in so kurzer Zeit so viele Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. 2014 waren 4400 Angriffe in fast zwei Monaten gezählt worden. Nun seien es 7000 binnen vierzehn Tagen gewesen. Auf dem Monitor des Generals laufen Computeranimationen ab, die die Abschüsse vom Territorium des Gazastreifens im Zeitraffer zeigen; sie leuchten wie ein permanentes Feuerwerk.

          Der deutsche Außenminister nennt an diesem Tag immer wieder den wichtigsten Grund seiner Reise nach Israel. Es gehe ihm darum, in dieser Lage die deutsche Solidarität mit Israel und den Israelis zu demonstrieren. Und Ashkenazi lässt keinen Zweifel daran, wie wichtig Israel diese Unterstützung aus Deutschland ist; zumal in einem Moment, in dem die internationale Kritik an den Luftschlägen der israelischen Luftwaffe in Gaza wächst. Vor allem nachdem dabei ein Hochhaus in Schutt und Asche sank, in dem ausländische Journalisten ihre Büros hatten, ist sie lauter geworden. Deutschland sei eines der wichtigsten Länder, die Israels Recht auf Selbstverteidigung unterstützten, sagt Ashkenazi. Er hebt hervor, dass der Besuch von Maas stattfinde, während noch die Sirenen heulten, die vor weiteren Raketeneinschlägen im Süden Israels warnten. Das zeige doch, dass sein Land in Maas „wirklich einen Freund“ habe.

          Aber Maas will nicht nur Beistand demonstrieren. Er will von seinen Gesprächspartnern in Israel – neben dem Außenminister sind es an diesem Tag der Verteidigungsminister, der Ministerpräsident und der Staatspräsident – auch wissen, wie es weitergehen soll, nachdem ein Waffenstillstand in Kraft sein wird. Dieselben Fragen will Deutschlands Außenminister auch im Westjordanland stellen, wo er abends noch den Präsidenten der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, trifft.

          Ashkenazi antwortet nach seinem Gespräch mit Maas öffentlich, es gelte, „die Moderaten zu stärken und die Extremisten zu schwächen“. Aber wie soll das gehen jenseits von Luftschlägen israelischer Kampfflugzeuge, die auch die Moderaten weiter zu schwächen drohen? Am Abend ist Maas in Ramallah, um mit einem Besuch beim palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas einen der verbliebenen Moderaten zu stärken. „Auch auf unsere humanitäre Unterstützung für die Palästinenser war selbst in schwierigen Zeiten immer Verlass“, sagt Maas. Für die politische Unterstützung, heißt das, gilt dies nicht uneingeschränkt. Aber dass Deutschland doch versuchen will, auf beide Seiten einzuwirken, um eine Ende der Kampfhandlungen herbeizuführen.

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