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Lyndon B. Johnson : Der interessanteste Präsident

Seine Karriere ist die eines Frühreifen. Mit 28 zieht Johnson für die Demokraten ins Repräsentantenhaus ein, die Arbeit dort langweilt ihn bald; mit vierzig wird er Senator. Diesen Sieg verdankt er, wie Caro minutiös belegen kann, eiskalt geplanter Wahlfälschung. Immer wieder überwältigt Johnson seine Gesprächspartner mit der „Johnson-Behandlung“: das Gegenüber buchstäblich umarmen, ihn am Revers packen, von oben auf ihn einreden und mit den Fingern in der Luft herumfuchteln, bis der Widerstand erlahmt. Es gab, so berichten Zeitgenossen, kein Entkommen vor diesem Mann.

Genaue Details und keine Zensuren

Doch der Biograph verteilt keine moralischen Zensuren. Er sieht alles und registriert alles. So gleichmütig er Johnsons Charakterschwächen beschreibt, so ausführlich analysiert er seine Arbeitskraft und sein politisches Naturtalent. Band für Band erkennt der Leser, dass er durch Caros Detailkenntnis und Beschreibungskunst die politische Geschichte Amerikas neu begreifen lernt. Denn Johnson war ein überragender Parlamentarier, vor allem als demokratischer Mehrheitsführer im Senat, und seine Präsidentschaft von 1963 bis 1969 – mit ihrem Licht, ihren Schatten, vor allem aber der Sozialpolitik und dem Kampf gegen die Rassentrennung – reicht in mancherlei Beziehung tiefer in die Gegenwart hinein als die seiner Nachfolger.

Eine von Caros genuin schriftstellerischen Leistungen ist, die Leser nicht mit Stoff zu erdrücken, sondern seine Funde in die deutende Erzählung einzuflechten. Im dritten Band erzählt er erst einmal hundert Seiten darüber, was die amerikanischen Verfassungsväter sich bei der Erschaffung des Senats gedacht haben – und wie der Senat dann, durch Senioritätsprinzip und sture Parteidisziplin, besonders seitens der reformfeindlichen Südstaaten, zum Blockadeinstrument wurde, das jede Möglichkeit gesellschaftlichen Fortschritts verhinderte.

Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy und sein damaliger Vizepräsident Lyndon B. Johnson im August 1962.

Es musste erst ein demokratischer Mehrheitsführer namens Lyndon Johnson kommen, um dem Senat Anschluss an die Moderne des Landes zu verschaffen. Auch wenn der „Civil Rights Act“ von 1957 nur noch eine verwässerte Version des Entwurfs war, den Johnson sich zur rechtlichen Gleichstellung der Schwarzen erhofft hatte – es war das erste Gesetz dieser Art seit 82 Jahren.

Die großen Leiden des Lyndon Johnson

Doch dann kam der Karriereknick, und die Zeit der Leiden begann. Durch Zaudern verlor Johnson den Kampf um die demokratische Präsidentschaftsnominierung für die Wahl 1960 und musste John F. Kennedy den Vortritt lassen. So blieb für ihn nach dessen knappem Sieg gegen Richard Nixon nur die Vizepräsidentschaft. Band vier erzählt vom gestörten Verhältnis Johnsons zum Kennedy-Clan und der demütigenden Erfahrung des ehemals allmächtigen Senators, von den Machtzirkeln im Weißen Haus ausgeschlossen zu sein. Der Mann, der es immer eilig gehabt hatte aufzusteigen und der nicht nur seine Mitarbeiter, sondern vor allem sich selbst erbarmungslos geschunden hatte, war kaltgestellt.

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