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Lyndon B. Johnson : Der interessanteste Präsident

Karriere eines Beispiellosen

In den bislang vier Bänden der Biographie – „The Path to Power“ (1982), „Means of Ascent“ (1990), „Master of the Senate“ (2002) und „The Passage of Power“ (2012) – erzählt Caro von der Karriere eines beispiellos ehrgeizigen, politisch hochbegabten Mannes, der sich aus einer Kindheit in Armut nach oben kämpft und dabei vor nichts haltmacht. Johnson trickst und lügt, er schmeichelt und droht, er arbeitet wie ein Stier und schafft es irgendwann in die Nähe reicher, mächtiger Männer, die ihm erst in Texas, dann in Washington den Weg ebnen. Oft glauben sie, Johnson könne ihnen nützlich sein, ohne zu begreifen, dass es am Ende umgekehrt ist: LBJ, ein großgewachsener Mann aus Texas mit fragwürdigen Manieren, aber sicherem Instinkt für das Opportune in der Politik, benutzt immer die anderen, und er kommt damit sehr weit.

Drei Merkmale zeichnen Caros Schreiben aus: überaus sorgfältige Recherche; ein packender Stil mit untrüglichem Sinn für psychologisches Drama; und eine bemerkenswerte Fairness gegenüber seinen Figuren. Manche haben den Autor mit Tolstoi verglichen, vermutlich, weil Caros Biographien es mit der Geschichte selbst aufnehmen wollen. Andere denken eher an den Viktorianer Anthony Trollope, der in 47 Romanen einen Kosmos schuf, in dem auch das Parlament, politische Parteien und Wahlkämpfe ihre Rolle spielen. Und dann natürlich: Shakespeare. Damit ist man beim eigentlichen Geheimnis von Caros Kunst – wie er es schafft, die Träger von Anzug und Aktentasche in Darsteller fesselnder Dramen von Triumph und Niedersturz zu verwandeln. „Rhythmus zählt“, hat Caro einmal dazu geschrieben. „Stimmung zählt. Sinn für den Schauplatz zählt. All das, worüber wir bei Romanen sprechen.“

Deshalb zogen Caro und seine Frau Ina – eine Historikerin, die ihre eigene Karriere aufgab und bei jedem seiner Bücher unschätzbare Hilfe leistete – für drei lange Jahre in das bitterarme Texas Hill Country, die Gegend, in der Johnson aufgewachsen war. Diesem Elend wollte der junge Lyndon um jeden Preis entkommen; und er wollte schon früh – das ist verbürgt – Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Lyndon Johnson for President

Dem Leben in der Einöde widmet Caro im ersten Band meisterhafte Schilderungen von der Länge eines kleinen Romans. Es war Lyndon Johnson, der die Energiepolitik der Regierung so beeinflusste, dass sie den Abgehängten endlich Strom und elektrisches Licht brachte: Frauen, die bis dahin täglich Dutzende Eimer Wasser geschleppt hatten, bekamen so Anschluss ans Industriezeitalter.

Caro brachte Johnsons jüngeren Bruder dazu, über die Konflikte in der Familie des späteren Präsidenten Dinge auszuplaudern, die er zuvor sorgsam verschwiegen hatte. Auch andere begannen zu reden, und durch geduldiges Nachfragen entstand ein viel kritischeres Jugendbild, als Freunde, Parteisoldaten und der Johnson-Hofstaat bis dahin gezeichnet hatten.

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