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Beraterin festgenommen : Luxusleben mit Geld aus dem Vatikan

Dunkle Wolken über dem Petersdom Bild: dpa

Eine Beraterin soll vom Vatikan rund eine halbe Million Euro für „humanitäre Operationen“ erhalten haben. Einen großen Teil davon soll sie anders genutzt haben.

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          Die Reihe von Finanzskandalen im Vatikan fand am Dienstagabend mit einer sonderbaren Episode ihre Fortsetzung. In Mailand nahm die italienische Finanzpolizei auf Grundlage eines von den Behörden des Vatikans erwirkten internationalen Haftbefehls die 39 Jahre alte Sicherheitsberaterin Cecilia Marogna wegen des Verdachts der Unterschlagung fest.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die aus Cagliari auf Sardinien stammende „Spezialistin für internationale Beziehungen“ soll zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 rund eine halbe Million Euro vom Staatssekretariat des Vatikans erhalten haben. Die Zahlungen auf das Konto des von Marogna in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana (Laibach) registrierten Unternehmens „Logsic“ wurden im Vatikan als Zuwendungen für „humanitäre Operationen“ verbucht. Nach übereinstimmenden Presseberichten soll die Sicherheitsberaterin jedoch fast 200.000 Euro für Handtaschen, Restaurantbesuche und Ledersitzmöbel ausgegeben haben.

          In einem Interview mit der Zeitung „Corriere della Sera“ gab Marogna an, ihre Aufgabe sei es gewesen, in Afrika und im Nahen Osten ein Netz von Beziehungen aufzubauen, um dortige Nuntiaturen und Missionen vor Umweltrisiken und Anschlägen von Terrorzellen zu schützen. Recherchen der Zeitung ergaben jedoch, dass sich die von der Beraterin angegebenen Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter an keine Zusammenarbeit mit Marogna erinnern konnten. Nach deren Angaben kam der Kontakt mit dem Vatikan 2015 durch eine Mail an den damaligen Substituten Erzbischof Angelo Becciu zustande.

          Becciu, der ebenfalls aus Sardinien stammt, habe sie dann zu einem anderthalbstündigen Gespräch über Sicherheitsfragen empfangen. Daraus sei ein Verhältnis der „gegenseitigen Wertschätzung“ und später der „operationalen Zusammenarbeit“ erwachsen. Die Zahlungen an Marogna erfolgten jedoch erst, nachdem Becciu 2018 Präfekt der Heiligsprechungskongregation geworden war, und wurden nicht von ihm persönlich veranlasst. Ende September wurde Becciu von Papst Franziskus abgesetzt wegen des Vorwurfs, er habe Unternehmen seiner Brüder Aufträge des Vatikans zugeschanzt.

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