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Lula empfängt Ahmadineschad : Der Friedensfürst hofft auf gute Geschäfte

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Enge Bande: Der brasilianische Präsident Lula empfängt seinen iranischen Amtskollegen Ahmadineschad Bild: picture alliance / dpa

Mahmud Ahmadineschad sucht neue Freunde. In Lateinamerika scheint er sie zu finden. Nun hat auch der brasilianische Präsident Lula den iranischen Präsidenten empfangen. Der Friedensfürst hofft auf gute Geschäfte, begibt sich aber auf heikles Terrain.

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          Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad sucht neue Freunde. In Lateinamerika scheint er sie zu finden. Beharrlich hat er immer engere Bande zu verschiedenen Ländern des Subkontinents geknüpft. Sein Besuch in Brasilien, der größten Wirtschaftsmacht in der Region, ist Höhepunkt seiner Avancen. Die Tür nach Lateinamerika hatte ihm der venezolanische Präsident Chávez geöffnet, der den Iraner längst zu seinen Busenfreunden zählt – und überdies den Präsidenten Morales, Correa und Ortega aus Bolivien, Ecuador und Nicaragua als Partner angedient hat.

          Dass nun auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva Ahmadineschad gegen zum Teil heftige Widerstände im eigenen Land empfängt, lässt er zuerst mit seinem Ehrgeiz erklären, in den großen internationalen Konflikten als Friedensstifter aufzutreten. Regime wie das iranische zu isolieren, sei kontraproduktiv; der beste Weg sei noch immer der Dialog, wiederholten gebetsmühlenartig Regierungsvertreter in den vergangenen Tagen Lulas These. Die entspricht dem brasilianischen Naturell, das freundliche Worte noch für den ärgsten Feind findet.

          Lula hat freilich handfestere Beweggründe, die ihn die Annäherung an Iran suchen lassen. Brasilien hat seine Exporte nach Iran seit 2002 von knapp 500 Millionen Dollar auf mehr als eine Milliarde Dollar gesteigert und will sie noch weiter steigern. Ahmadineschad wird von 150 iranischen Unternehmern begleitet. Während seines Aufenthalts in Brasília sollten 23 Kooperationsabkommen unterschrieben werden.

          Heikles Terrain

          Lula sucht Unterstützung für einen ständigen Sitz Brasiliens im UN-Sicherheitsrat. Offenbar glaubt er, dass selbst ein kleiner Erfolg bei der Domestizierung des Iraners, der sich weltweit mit seinen Provokationen unbeliebt gemacht hat, hilfreich sein könnte. Offenbar hat Lula Ahmadineschad vor dessen Reise hinterbringen lassen, er möge sich diesmal zurückhalten, also weder den Holocaust leugnen noch die Tilgung Israels von der Weltkarte propagieren.

          Sollte sich der Gast aus Teheran nicht darum scheren, so befürchten brasilianische Beobachter, könnte sich Lula den Nahost-Konflikt in sein Land holen, in dem bislang Juden und Muslime friedlich miteinander zusammenleben.

          Auf nicht minder heikles Terrain begibt sich Lula, wenn er auf das iranische Atomprogramm eingeht und sich zu Teherans Weigerung äußert, sein Uran-Anreicherungsprojekt aufzugeben. Die Regierung Lula vertritt die Auffassung, dass die bisher gegen Iran verhängten Sanktionen nichts gebracht hätten und dass neuerliche Strafaktionen, wie sie derzeit wieder verstärkt erwogen werden, erst dann ausgesprochen werden sollten, wenn alle Verhandlungsmöglichkeiten über das iranische Atomprogramm ausgeschöpft seien.

          „Keine Zusammenarbeit beim Atomprogramm“

          Brasilien hat allerdings einen Ruf als Land zu verlieren, das sein eigenes ambitioniertes Atomprogramm nicht nur durch die Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags und die Einhaltung sämtlicher Kontrollvorschriften abgesichert hat, sondern das Verbot, Atomenergie für nichtfriedliche Zwecke zu nutzen, sogar in der Verfassung verankerte. „Zwischen Brasilien und Iran gibt es keine, wirklich keine Zusammenarbeit“, versicherte der Vorsitzende der Unterkommission für Waffen und Munition im brasilianischen Abgeordnetenhaus, Raul Jungmann, kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung während einer Tagung über Sicherheitspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rio de Janeiro.

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