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Lukaschenkos Spiel mit Flüchtlingen : Eine Nacht im polnischen Wald

Eine Gruppe von entkräfteten ­Flüchtlingen aus dem Irak wird im ­polnischen Wald nahe der belarussischen Grenze von Aktivisten und Polizisten in Empfang genommen. Bild: Daniel Pilar

Der belarussische Diktator lässt Flüchtlinge einfliegen und jagt sie über die Grenze nach Polen. Nachdem sie tagelang von den Grenzbeamten umhergeschubst wurden, sind sie oft am Ende ihrer Kräfte.

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          Um 19.16 Uhr kam die Vorwarnung. „Bitte seien Sie in Hajnówka, ich gebe Ihnen dann ein Zeichen. Es kann spät in der Nacht werden.“ Die Nachricht kommt über einen Messengerdienst. Sie stammt von einer Gruppe polnischer Aktivisten. Sie helfen Mi­granten, die über die polnische Ostgrenze in die EU gekommen sind und jetzt im dichten Wald umherirren. Um 19.16 Uhr ist es im Osten Polens schon ziemlich dunkel, auch wenn an diesem Mittwochabend ein runder Mond gelegentlich durch die Wolken bricht. Es ist bereits nach Mitternacht, als die nächste Textnachricht kommt: „Die Aktion wird in der Nähe von Hajnówka sein, ist jemand noch wach?“

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Die Region an der Grenze zu Belarus ist in Polen eines der bekanntesten Ziele für Touristen. Hier befindet sich der Białowieża-Nationalpark mit einem der ältesten Urwälder Europas; hier lebt neben Wölfen und Elchen der Wisent, das einst fast ausgerottete Rind, in freier Wildbahn. Aber es sind schlechte Zeiten für Touristen: Zutritt für Ortsfremde verboten. Im Grenzgebiet gilt seit Anfang September der Ausnahmezustand, seit Migranten aus fernen Ländern in nie gekannter Zahl ausgerechnet hier in die EU wollen. Kurz vor eins dann eine weitere Textnachricht: „In dieser Gruppe sind dreißig Personen, darunter sechzehn Kinder und eine schwangere Frau.“

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