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Lukaschenko-Gegner in Minsk : Elite im Gefängnisschloss

Vor einem Jahr: Demonstranten gegen Lukaschenko im Zentrum von Minsk im August 2020 Bild: Reuters

Der nationale Aufbruch in Belarus wird vom Regime Alexandr Lukaschenkos brutal unterdrückt. Doch aufgegeben haben seine Gegner nicht. Ein Besuch in der Hauptstadt Minsk.

          8 Min.

          In der Wohnung von Xenija Luzkina sieht es aus, als wäre sie nur kurz ausgegangen. Wasserkessel, Pfanne und Töpfe stehen auf dem Herd, Kabel und Papiere liegen auf der Kommode. Am Kühlschrank erinnern Magnete an Städtetouren nach Berlin, Kiew, Venedig. Fotos im Bücherregal zeigen die 37 Jahre alte Journalistin und Historikerin mit ihrem Sohn, dem Bruder, der Großmutter und im Porträt, das eine blonde Frau mit wachem, fröhlichem Blick zeigt. Doch zwischen Wohnzimmer und Küchennische offenbart ein Plastikweihnachtsbaum mit Kugeln und Schneekristallen, seit wann das Leben hier eingefroren ist.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Xenija Luzkina wurde am 22. Dezember vorigen Jahres festgenommen, nach einer Razzia in ihrer Minsker Wohnung. Sie hatte ihren Verwandten noch das vereinbarte „SOS“ geschickt, zum Zeichen, dass sie geholt würde. Seither hat niemand aus ihrer Familie sie gesehen, Besuchsanträge werden abgelehnt. Der elf Jahre alte Sohn, der die Razzia miterlebte, hat seinem Großvater verboten, den Weihnachtsbaum wegzuräumen. „Wir bauen ihn erst zusammen mit Mama ab“, habe der Junge gesagt, berichtet Oleg Luzkin, der Vater der Gefangenen.

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