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Gespräch im Gefängnis : Lukaschenka trifft Oppositionelle

  • Aktualisiert am

Alexandr Lukaschenka bei der Zeremonie zur Amtseinführung. Der Machthaber von Belarus beansprucht für sich das Amt des Präsidenten. Bild: dpa

Erstmals seit der Wahl spricht Lukaschenka mit Oppositionellen. Allerdings findet das Treffen in einem Gefängnis statt. Vertreter der Opposition halten das für absurd.

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          In Belarus hat sich Machthaber Alexandr Lukaschenka mit mehreren inhaftierten Oppositionellen und Mitgliedern des Koordinationsrates getroffen. Das Gespräch im Untersuchungsgefängnis des Geheimdienstes KGB habe viereinhalb Stunden gedauert, meldete der dem belarussischen Staatsfernsehen nahe stehende Telegram-Kanal „Pul Perwogo“ am Samstag. Thematisiert wurden mögliche Änderungen der Verfassung, wie das oppositionelle Portal „Nexta“ berichtete. Vertreter der Opposition kritisierten später, es sei absurd, Gespräche am Runden Tisch im Gefängnis zu führen.

          Prominentester oppositioneller Teilnehmer des Treffens war Viktor Babariko. Der Politiker wollte bei der Präsidentenwahl gegen Lukaschenka antreten, landete jedoch im Gefängnis, bevor der Wahlkampf richtig losgehen konnte.

          Ein vom staatsnahen Kanal „Pul Perwogo“ veröffentlichtes Foto zeigt Lukaschenka im dunklen Pullover, wie er an einem mit einem Blumengesteck geschmückten ovalen Tisch mit den Oppositionellen diskutiert. Über den Inhalt sei Schweigen vereinbart worden, hieß es.

          In Belarus protestieren die Menschen seit der umstrittenen Präsidentenwahl Anfang August regelmäßig gegen Lukaschenka. Der seit mehr als einem Vierteljahrhundert regierende Machthaber reklamiert den Wahlsieg nach dem Urnengang Anfang August mit einem Ergebnis von mehr als 80 Prozent für sich. Die EU erkennt das Wahlergebnis nicht an. Die Opposition in Belarus sieht Swetlana Tichanowskaja als wahre Siegerin.

          Der Kanal „Pul Perwogo“ verbreitete zunächst nur einen kurzen Ausschnitt des Treffens. „Unser Land lebt unter der Losung der Dialogbereitschaft“, sagte Lukaschenka, der seit der umstrittenen Präsidentenwahl jedes Gespräch mit der Opposition abgelehnt hatte. „Die Hälfte von Ihnen hier sind Juristen und wissen: Die Verfassung schreibt man nicht auf der Straße“. Er versuche, die Anhänger der Opposition und die ganze belarussische Gesellschaft zu überzeugen, dass man „das Problem weitgefasster betrachten“ müsse.

          Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja wertete Lukaschenkas Auftritt in dem KGB-Gefängnis als Ergebnis des wachsenden gesellschaftlichen Drucks auf den Machthaber. Mit dem Treffen habe Lukaschenka zugegeben, dass es sich bei den Oppositionellen, die er vorher als Kriminelle bezeichnet habe, um politische Gefangene handele. „Einen Dialog führt man nicht in der Gefängniszelle.“ Wenn Lukaschenka Dialogbereitschaft zeigen wolle, hätte er die Oppositionellen freigelassen. Sergej Latuschko vom Koordinierungsrat sagte, ein runder Tisch im Untersuchungsgefängnis sei „absurd“.

          Tichanowskaja durfte am Samstag erstmals seit seiner Inhaftierung mit ihrem Ehemann, dem regierungskritischen Blogger Sergej Tichanowski, telefonieren. Tichanowski wollte bei der Präsidentschaftswahl gegen Machthaber Alexandr Lukaschenka antreten, das wurde ihm allerdings verwehrt. Es sei das erste Gespräch seit 134 Tagen gewesen, schrieb Tichanowskaja am Samstag bei Telegram. Ihr Ehemann sitzt seit Ende Mai in Haft. Tichanowskaja war an seiner Stelle bei der Wahl angetreten und hatte als einzige Oppositionelle eine Zulassung erhalten. Nach der Präsidentenwahl flüchtete sie nach Litauen.

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