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Luftschläge gegen al Shabaab : Frankreich bestreitet Eingreifen in Somalia

Kenianische Soldaten an der Grenze zu Somalia Bild: dapd

Frankreich bestreitet, dass es militärisch in Somalia eingegriffen habe. Das hatte zuvor ein Sprecher der kenianischen Armee behauptet, die derzeit in Somalia gegen Islamisten vorgeht.

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          Bei einem Angriff auf eine belebte Bar in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind am Montag zwölf Personen verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Der Täter hatte in den frühen Morgenstunden eine Handgranate auf die Tanzfläche in „Mwaura’s Bar“ geworfen und war unerkannt entkommen. Die kenianische Polizei beschuldigte am Montag die radikal-islamische Miliz al Shabaab, hinter dem Angriff zu stehen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das Attentat ereignete sich nur zwei Tage, nachdem die amerikanische Botschaft in Nairobi vor einen „unmittelbar bevorstehenden“ Angriff der Radikalen in Kenia gewarnt hatte. Al Shabaab hatte Kenia nach dem Einmarsch kenianischer Truppen nach Somalia vor rund einer Woche Vergeltung angedroht. Den Anlass für die Invasion bot die Entführung von insgesamt vier europäischen Frauen in Kenia durch somalische Extremisten.

          Zu den Geiseln zählen zwei spanische Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die in Dadaab, dem größten Flüchtlingslager der Welt, entführt worden waren. Eine französische Geisel ist inzwischen tot. In der vergangenen Woche haben kenianische Sicherheitskräfte in Dadaab zwölf Personen mit Kontakten zu al Shabaab festgenommen und zahlreiche Waffen sichergestellt. In Nairobi wiederum wurden drei somalische Imame und ein Arzt unter dem Vorwurf festgenommen, Kämpfer für die radikal-islamische Miliz anzuwerben.

          Der Nachtklub in Nairobi nach dem Anschlag

          Feuerunterstützung Frankreichs?

          Die kenianischen Truppen setzten unterdessen ihren Vormarsch auf die somalische Hafenstadt Kismayo fort, in der die Geiseln vermutet werden. Aus der benachbarten Ortschaft Afmadow flohen am Montag Hunderte Einwohner in Erwartung schwerer Gefechte. Am Sonntag hatte der kenianische Armeesprecher Emmanuel Chirchir behauptet, ein französisches Kriegsschiff habe am Samstagabend die nahe Kismayo gelegene Stadt Kuday beschossen, um den kenianischen Truppen Feuerunterstützung zu gewähren.

          Die französische Armeeführung bestritt am Montag dagegen, militärisch in Somalia eingegriffen zu haben. „Die Äußerungen des kenianischen Armeesprechers sind falsch“, sagte Oberst Thierry Burkhard vom Generalstab der französischen Armee in Paris. Das „formelle Dementi“ betreffe alle Formen eines direkten Eingreifens der französischen Armee.

          Die französische Marine habe Kuday nicht angegriffen, sagte Burkhard. Ohnehin sei derzeit kein französisches Kriegsschiff vor der Küste nahe Kismayo stationiert. Über die Motive der kenianischen Erklärung wird in Paris noch gerätselt. Es sei nicht auszuschließen, dass Frankreich von interessierter Seite in den Konflikt gegen die somalischen Milizen hineingezogen werden solle.

          Paris liegt eine Bitte der kenianischen Staatsführung um logistische Hilfe vor, die am Montag positiv beschieden wurde. So werde Frankreich der kenianischen Armee ein Transall-Transportflugzeug zur Verfügung stellen. Damit solle aber der kenianischen Armee nur geholfen werden, ihre internen Transportschwierigkeiten zu vermindern. Frankreich wolle sich keinesfalls direkt in den somalischen Konflikt militärisch einmischen.

          Shabaab-Stützpunkt mit Lenkwaffen angegriffen

          Am Montagmorgen war ein Stützpunkt von al Shabaab unweit des Hafens von Kismayo von einem tieffliegenden Kampfflugzeug mit zwei Lenkwaffen angegriffen worden, die nach Berichten von Bewohnern der Stadt ihre Ziele trafen. Die kenianische Luftwaffe verfügt über veraltete Kampfflugzeuge des amerikanischen Typs Northrop F-5 Tiger II; fünf von ihnen hat Nairobi kürzlich der jordanischen Luftwaffe abgekauft. Außerdem besitzt Kenia 72 amerikanische Luft-Boden-Raketen vom Typ „Maverick“. Die kenianischen Piloten verfügen aber über keinerlei Erfahrung mit diesen Waffensystemen, weil noch nie eine der teuren Raketen zu Übungszwecken abgefeuert wurde. Dieser Umstand befeuerte angesichts der angeblichen Treffsicherheit Spekulationen, dass die Luftunterstützung für die Kenianer entweder von französischen oder amerikanischen Kampfflugzeugen komme. Beide Länder verfügen in Djibouti über Militärstützpunkte.

          Der amerikanische Stützpunkt „Camp Lemonnier“ ist in in erster Linie ein Marinestützpunkt. Der französische Stützpunkt beherbergt neben der 13. Halbbrigade der Fremdenlegion das Geschwader 188 mit sieben modernen Kampfflugzeugen des Typs Mirage 2000.

          Der Präsident der somalischen Übergangsregierung, Sheikh Sharif Ahmed, sprach sich abermals gegen die Anwesenheit des kenianischen Militärs in Somalia aus. In Mogadischu sagte Ahmed am Montag, die Unterstützung Kenias zur Ausbildung der eigenen Soldaten sei willkommen, nicht aber eine militärische Einmischung. Mogadischu fürchtet, die Präsenz der Kenianer werde den Status der Region Jubaland im Süden, die sich für autonom erklärt hatte und das Wohlwollen Nairobis genießt, zementieren. Die kenianische Regierung hat bislang immer behauptet, der Einmarsch sei im Einvernehmen mit der Übergangsregierung erfolgt.

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