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Luftfahrtindustrie : Airbuswerk in Augsburg soll verkauft werden

  • Aktualisiert am

Der schwache Dollar ist schuld: Louis Gallois Bild: dpa

Der angeschlagene Flugzeugbauer Airbus will sein Werk in Augsburg verkaufen. Das teilte der Chef des Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, mit. Einen Erfolg kann Airbus für den A380 verbuchen: British Airways bestellt zwölf Flugzeuge dieses Typs.

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          Das Augsburger Werk des angeschlagenen Flugzeugbauers Airbus soll verkauft werden. Das teilte der Chef des Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, am Donnerstag mit. „Wir haben beschlossen, Augsburg für die Liste der zum Verkauf stehenden Werke vorzuschlagen“, sagte Gallois auf einer Pressekonferenz. Die endgültige Entscheidung werde fallen, wenn man Angebote von Übernahmekandidaten erhalten habe.

          Beschlossen ist bereits die Ausgliederung der drei deutschen Werke in Nordenham, Laupheim und Varel. Insidern zufolge könnte Augsburg mit den Airbus-Werken Varel und Nordenham im Paket angeboten werden, weil die drei Werke sich Arbeiten an Flugzeugrümpfen teilen. Augsburg gehört zwar zum Rüstungsbereich von EADS, macht aber 70 Prozent seines Umsatzes mit Airbus.

          Kaufinteressenten sollen Werk besichtigen

          Angesichts des schwachen Dollars sagte Gallois, EADS müsse sich darauf einstellen, Entscheidungen zu treffen. Grund zur Eile gebe es aber nicht. Das Sanierungsprogramm von Airbus beruht auf einem Wechselkurs von 1,35 Dollar. Mittlerweile steht der Euro bei über 1,41 Dollar. Ein Kursanstieg von zehn Cent kostet Airbus eigenen Angaben zufolge eine Milliarde Euro.

          EADS-Chef Louis Gallois und die Innenministerin Frankreichs, Michele Alliot-Marie

          In Augsburg fertigen 2.000 Festangestellte und 700 Leiharbeiter Bauteile sowohl für Airbus-Flugzeuge als auch für den Eurofighter. Produziert werden vor allem Airbus-Hecksektionen, Bauteile für die große A380 und den Militärtransporter A400 M sowie die Rumpfmittelteile des Eurofighters. In der Vergangenheit hatten schon Gerüchte die Runde gemacht, das Werk stehe im Zuge der Airbus-Sanierung zur Disposition.

          Derzeit fünf Interessenten

          Kaufinteressenten würden sich das Augsburger Werk anschauen und Lösungen vorschlagen, sagte Gallois bei der Eröffnung des neuen EADS-Standortes Elancourt bei Paris. Mitarbeiter und Management des bayrischen Standortes hätten den Schritt selbst vorgeschlagen. „Sie wissen, dass Teile des A350-Programms ausgegliedert werden. Wenn sie einen wichtigen Anteil an dem Programm haben wollen, müssen sie das Unternehmen verlassen.“

          Airbus verhandelt derzeit noch mit fünf Interessenten für insgesamt sieben zum Verkauf stehende Werke. Zu den Bietern gehören auch die deutschen Unternehmen Voith und MT Aerospace. Wer den Zuschlag für die Werke erhält, soll bis Ende des Jahres entschieden werden. Neben den vier deutschen Standorten will sich Airbus von den französischen Werken Méaulte und St. Nazaire und dem britischen Werk in Filton trennen.

          Einzelne Konzernbereiche werden ausgebaut

          Ziel von Airbus ist es, nach dem Vorbild des US-Konkurrenten Boeing ein Netzwerk von Premium-Zulieferern aufzubauen. Die neuen Partner sollen erstmals erheblich an den Risiken beteiligt werden. Vorgesehen ist auch, dass sie die Steuerung, die Investitionen und die weitere Entwicklung der Werke übernehmen und ihre Beteiligung an weiteren Airbus-Programmen sicherstellen.

          Gallois kündigte an, die Konzernbereiche Verteidigung und Sicherheit auszubauen. Dies solle auch mit Hilfe von Zukäufen und Partnerschaften geschehen. Er verwies dabei auf den Konkurrenten Boeing, bei dem die Zivilluftfahrt nur rund die Hälfte des Konzerngeschäftes ausmache. EADS hat unter anderem Interesse am französischen Konzern SAFRAN, der in den Bereichen Triebwerke (SNECMA), Kommunikation, Sicherheitstechnik und Elektronik aktiv ist, und an einem größeren Engagement in den USA.

          Bestellungen von British Airways

          Unterdessen kann Airbus einen Erfolg für seinen Super-Airbus A380 verbuchen: British Airways gibt ihre jahrzehntelange Loyalität zu Boeing bei Langstreckenflugzeugen auf und bestellt zwölf der doppelstöckigen Airbus-Flugzeuge. Im Rahmen der groß angelegten Flottenerneuerung orderte British Airways (BA) auch 24 Boeing 787. Nach Listenpreis hat die gesamte Bestellung einen Wert von über acht Milliarden Dollar. Mit dem A380 könnte British Airways seine begrenzten Abflugzeiten - die so genannten slots - am hoch frequentierten Flughafen London Heathrow am besten nutzen, sagte British-Airways-Chef Willi Walsh.

          Den A380 will British Airways auf Strecken von London nach Hongkong, Singpur, Südafrika und an die Westküste der USA einsetzen. Der mittelgroße Boeing Dreamliner soll auf neuen Strecken fliegen und die Schlagzahl auf existierenden Routen erhöhen. Die Flugzeuge soll British Airways zwischen 2010 und 2014 erhalten. Zu den Bestellungen hat die Fluggesellschaft noch Optionen auf sieben weitere A380 und 18 Dreamliner.

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