https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/luftbruecke-nach-kabul-liegt-in-der-hand-der-taliban-17499834.html

Luftbrücke nach Kabul : In der Hand der Taliban

  • -Aktualisiert am

Am Flughafen von Kabul am 21. August Bild: British Ministry of Defence/AFP

Dem militärischen Scheitern folgt die diplomatische Demütigung: Der Westen ist in seinen humanitären Bemühungen abhängig von den neuen Machthabern in Kabul.

          1 Min.

          Das Drama, das sich am Flughafen in Kabul abspielt, hat auch etwas damit zu tun, dass das Ende der Luftbrücke absehbar ist. Ob amerikanische, deutsche und andere ausländische Militärtransporter nun bis zum 31. August oder noch etwas länger fliegen – allen Schutzsuchenden wird bewusst sein, dass dieser direkte und vergleichsweise sichere Weg aus Afghanistan nicht mehr Monate oder Wochen, sondern nur noch Tage zur Verfügung stehen dürfte. Das führt zu Gedränge, befördert eine ungeordnete und womöglich ungerechte Auswahl der Passagiere und macht den Einsatz für die Soldaten besonders schwierig.

          Besser wäre ein zeitlich flexibler und organisierter Prozess, bei dem Zivilflugzeuge eingesetzt werden. Es ist keine schlechte Idee, dass darüber Gespräche geführt werden, wie der Außenminister mitteilte.

          Islamisten müssen zustimmen

          Wie fast alles, was in Afghanistan geschieht, hängt die Verwirklichung nun von der Zustimmung der Taliban ab. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen, die am Dienstag Beratungen führte, mag auf dem Papier eine mächtige Versammlung sein. In Afghanistan haben ihre Mitglieder, die den Kern des Westens bilden, das Heft des Handelns aber aus der Hand gegeben.

          Die Rettungsflüge gegen den Willen der Taliban fortzusetzen wäre nur mit einem erheblichen militärischen Aufwuchs möglich, der den gerade erst vollzogenen Abzug in Teilen infrage stellen würde.

          Nicht nur der amerikanische Präsident hat daran kein Interesse. Auch in Europa will (und kann) niemand diesen verlorenen Krieg fortführen. Deshalb gibt es Kontakte zu den Taliban, und man hofft auf gute Dienste der Türkei oder Russlands. Dem militärischen Scheitern folgt die diplomatische Demütigung.

          Zumindest ist inzwischen ein wenig deutlicher geworden, welches Interesse die Taliban in dieser Frage treibt: Sie wollen offenbar nicht, dass Afghanen, die ihnen wegen ihres Fachwissens noch nützlich sein könnten, das Land verlassen. Das liegt an der zunehmend schwierigen (Versorgungs-)Lage, wird die humanitären Bemühungen des Westens aber nicht einfacher machen.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Weitere Themen

          Regierung in Prag übersteht Misstrauensvotum

          Tschechien : Regierung in Prag übersteht Misstrauensvotum

          Für den Misstrauensantrag stimmten in der Nacht auf Donnerstag nur 85 Abgeordnete, mindestens 101 wären nötig gewesen. Die Opposition hatte den Antrag gestellt nachdem bekanntgeworden war, dass Innenminister Vit Rakusan privat über ein verschlüsseltes Krypto-Handy verfügt hatte.

          Festnahmen bei Pro-Palästina-Demo in Berlin

          Angriffe gegen die Polizei : Festnahmen bei Pro-Palästina-Demo in Berlin

          Hunderte Menschen haben in Berlin-Neukölln trotz des Verbots von pro-palästinensischen Versammlungen demonstriert. Abermals werden Polizeibeamte mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Die Polizeipräsidentin spricht von einer angespannten Lage.

          Topmeldungen

          Teslas Anlaufkosten für den Cybertruck und Investitionen in Künstliche Intelligenz haben die Profitabilität des Unternehmens gedrückt.

          Gedämpfte Erwartungen : Für Tesla wird es schwieriger

          Elon Musk beklagt hohe Investitionskosten und gestiegene Zinsen, die Teslas Profitabilität drücken. Auch der neue Cybertruck bereitet noch Probleme – doch die ersten Modelle sollen bereits Ende November ausgeliefert werden.
          Wer soll für die wertvolle Zeit zahlen, die berufstätige Eltern mit ihren kleinen Kindern verbringen?

          Neuer Streit ums Elterngeld : Der Ampel droht Ungemach

          Ein FDP-Vorschlag sorgt für Aufregung: Die Liberalen wollen den Betrag für alle Eltern kürzen, nicht nur für Spitzenverdiener. Zudem soll die Bezugsdauer von vierzehn auf zwölf Monate sinken. Nicht überall kommt das gut an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.