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Luftangriff bei Kundus : Nato-Bericht sieht Fehler der Bundeswehr

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Der amerikanische Nato-Kommandeur McChrystal (r.) und Oberst Georg Klein bei Kundus am 5. September Bild: AP

Der Nato-Bericht zu dem umstrittenen Luftangriff nahe Kundus hat einem Magazinbericht zufolge klare Fehler der Bundeswehr ausgemacht. So habe es Oberst Klein abgelehnt, Kampfflugzeuge zunächst im Tiefflug über die Tanklaster fliegen zu lassen.

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          Der Nato-Bericht zu dem umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus hat einem Magazinbericht zufolge klare Fehler der Bundeswehr ausgemacht. Die Deutschen hätten ihre Forderung nach Luftunterstützung mit Feindberührung begründet, obwohl sich keine Soldaten der Nato-Truppe Isaf in der Nähe der Tanklaster aufhielten, berichtete der „Spiegel“ am Samstag vorab unter Berufung auf den geheimen Untersuchungsbericht.

          Der deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus, Oberst Georg Klein, habe es auch abgelehnt, die US-Kampfflugzeuge vor Ort als niedrigere Eskalationsstufe zunächst im Tiefflug über die Tanklaster fliegen zu lassen.

          Argumente für und gegen die Deutschen

          Zudem sei es wegen der unübersichtlichen Lage möglicherweise nicht ausreichend gewesen, sich auf eine einzige menschliche Quelle und die Live-Bilder der Luftunterstützung zu verlassen, berichtete das Magazin. Darüber hinaus werde in dem Nato-Bericht allerdings auch auf mehreren Seiten die militärisch angespannte Lage in Kundus vor dem Luftangriff geschildert. „Der Bericht liefert Argumente für die Verurteilung von Oberst Klein genauso wie zu seiner Entschuldigung“, zitierte der „Spiegel“ einen Kenner des Reports. Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal lehnte dem Magazinbericht zufolge eine Stellungnahme ab. „Der Bericht liegt nun bei den Deutschen, die selbst entscheiden müssen, welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen“, sagte einer seiner Sprecher.

          Die Bundesregierung habe die Nato zuvor gedrängt, sich in dem Untersuchungsbericht mit einer Beurteilung zurückzuhalten, berichtete der „Spiegel“. Am 15. Oktober hätten Vertreter der Bundesregierung dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, bei seinem Besuch in Berlin zu verstehen gegeben, dass eine deutliche Verurteilung Kleins durch die Nato in Deutschland zu juristischen Problemen führen könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu dem „Spiegel“-Bericht nicht äußern.

          Bundeswehr sieht Militär durch Bericht entlastet

          Die Bundeswehr-Führung sieht das deutsche Militär durch den Nato-Bericht entlastet. Klein habe in einer schwierigen Lage militärisch angemessen gehandelt, als er das Bombardement in der Nacht zum 4. September befohlen habe, hatte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Donnerstag in Berlin erklärt. Daran habe er nach Lektüre des Untersuchungsberichts keinen Zweifel. Der geheime Nato-Report bestätige auch nicht, dass durch den Luftangriff Unbeteiligte getötet wurden.

          Klein war in die Kritik geraten, nachdem er den Luftangriff auf die beiden von den radikal-islamischen Taliban entführten Tanklaster angeordnet hatte. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften. Im Ausland löste das Bombardement Empörung aus, da Deutschland die Nato-Partner häufig für Luftangriffe mit zivilen Opfern kritisiert hatte. Auch im Inland wurde über die Berechtigung des Bombardements gestritten.

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