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London will abschrecken : Fähren für Asylbewerber?

Ein Schlauchboot, mit dem Migranten über den Ärmelkanal nach Großbritannien übergesetzt sind. Bild: AFP

Immer mehr Migranten erreichen Großbritannien über den Ärmelkanal. Die Regierung will die Migration jetzt eindämmen. Auch die Einrichtung von Asylzentren auf Papua Neuguinea soll dafür im Gespräch gewesen sein.

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          Verglichen mit anderen Nationen Europas kommen nur wenige Flüchtlinge nach Großbritannien. Im vergangenen Jahr stellten etwa 35.000 Menschen einen Antrag auf Asyl – Deutschland registrierte mehr als 140.000 Erstanträge. Aber seit immer mehr Flüchtlinge und Migranten ihr Leben aufs Spiel setzen und in Schlauchbooten über den Ärmelkanal kommen, wird die „illegale Einwanderung“ im Königreich wieder stärker debattiert. Zeitungen berichteten in den vergangenen Tagen von Plänen in der Regierung, den Anreiz auf Aufnahme im Königreich mit umstrittenen Maßnahmen herabzusetzen. Geprüft würde, ob die Migranten künftig für die Dauer ihres Asylverfahrens jenseits der Insel untergebracht werden können.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Lange Zeit konzentrierten sich Schlepperbanden auf der französischen Seite des Kanals darauf, die Migranten an Bord von Lastwagen und Containern ins Königreich zu schleusen. Bootsflüchtlinge blieben die Ausnahme. Doch in diesem Jahr ist ihre Zahl rapide gestiegen. Bis Ende September erreichten laut Innenministerium fast 7000 Migranten das südenglische Ufer, viele nachdem sie in Seenot geraten und von britischen Schiffen gerettet worden waren. Allein in den ersten drei Septemberwochen kamen 1892 Bootsflüchtlinge und damit mehr als im ganzen Jahr 2019. Ein Regierungssprecher sprach von „nicht akzeptablen“ Zuständen, und Nigel Farage, dessen Brexit Party derzeit nach neuen Betätigungen sucht, schlug in einem Video Alarm.

          „Die britischen Grenzen schützen“

          Anfang September, als der Corona-Schutz noch größere Versammlungen erlaubte, kam es vor dem Hafen in Dover zu Demonstrationen. Etwa hundert Briten schwenkten den Union Jack und verlangten von der Regierung, „die britischen Grenzen zu schützen“. Eine Flüchtlingsinitiative organisierte zur selben Stunde einen Gegenprotest. Die Polizei nahm zehn Personen fest. Trotz steigender Zahlen bleiben die Bootsflüchtlinge eine Minderheit derer, die im Königreich Asyl beantragen. Laut der „House of Commons Library“ machten sie im vergangenen Jahr nur etwa fünf Prozent aller Asylbewerber aus; in diesem Jahr könnte ihr Anteil auf zwanzig Prozent wachsen.

          Die absolute Zahl der Asylbewerber ist derzeit keineswegs auf einem Höhepunkt angelangt. Der war im Jahr 2002 erreicht, als mehr als 84.000 Menschen Asyl beantragten. In den acht Jahren danach fiel die Zahl auf den Tiefpunkt von knapp 18.000. Seither klettern die Zahlen wieder. Mit derzeit gut 35.000 Asylbewerbern rangiert Großbritannien nicht nur deutlich hinter Deutschland, Frankreich und Spanien, sondern auch hinter dem kleinen Griechenland.

          Anerkennungsquote steigt

          Die Asylstatistik weist aus, dass im vergangenen Jahr 29 Prozent der Asylbewerber aus Asien kamen, 27 Prozent aus dem Nahen Osten, 24 Prozent aus Afrika und 14 Prozent aus europäischen Ländern. Die Anerkennungsquote hat sich in den vergangenen Jahren in Schlangenlinien nach oben entwickelt. 2004 wurden noch 88 Prozent der Asylanträge abschlägig beschieden.

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