https://www.faz.net/-gpf-8w6u6

Anschlag in London : Viertes Opfer erliegt seinen Verletzungen

  • Aktualisiert am

Spurensuche am Tag nach dem Anschlag Bild: AFP

Der Anschlag von London hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Ein Mann starb im Krankenhaus. Erste Details gibt es auch zu den acht Festgenommen.

          3 Min.

          Nach dem Anschlag von London ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Ein 75 Jahre alter Mann sei an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, teilte die Polizei am Donnerstagabend mit. Zuvor hatte Scotland Yard mitgeteilt, dass zwei Opfer des Anschlages weiter in Lebensgefahr schwebten. Der Zustand von fünf weiteren Verletzten sei kritisch.

          Bei dem Anschlag am Mittwoch beim Londoner Parlament waren vier Menschen getötet worden, unter ihnen der Attentäter. Etwa 40 Menschen wurden verletzt. Etwa 30 Menschen aus elf Ländern mussten im Krankenhaus behandelt werden. Darunter auch eine Frau aus Deutschland.

          Der Attentäter, ein 52 Jahre alter Mann aus Großbritannien namens Khalid Masood, war mit einem Auto in Fußgänger gerast, bevor er danach mit einem Messer einen Polizisten tödlich verletzte. Der Angreifer wurde von weiteren Beamten erschossen.

          Acht Menschen, drei Frauen und fünf Männer, wurden bis Donnerstag im Zusammenhang mit dem Angriff wegen Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Straftat festgenommen. Diese Festnahmen wertet die Polizei als Volltreffer. Alle acht würden der Terrorvorbereitungen verdächtigt, teilte sie am Donnerstag mit. Die Ermittlungen würden mit Hunderten Beamten fortgesetzt, derzeit gebe es noch Razzien in Wales, in Birmingham und in London. Premierministerin Theresa May hatte kurz zuvor erklärt, der Angreifer sei ein Einzeltäter gewesen.

          Der Täter sei der Polizei schon wegen Gewaltdelikten und unerlaubten Waffenbesitzes bekannt gewesen, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben.

          Masood wurde in der südostenglischen Grafschaft Kent geboren und lebte zuletzt in der Region West Midlands. „Seine erste Verurteilung war 1983 wegen Sachbeschädigung, die letzte 2013 wegen unerlaubten Besitzes eines Messers“, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Er sei unter mehreren Aliasnamen bekannt gewesen.

          Zuvor hatte May gesagt, der Täter sei vor einigen Jahren schon einmal im Visier des Geheimdienstes MI5 gewesen – im Zusammenhang mit gewalttätigem Extremismus. „Er war eine Randfigur.“ Aktuell habe der Mann jedoch nicht im Fokus der Behörden gestanden. „Es gab keine Hinweise auf seine Absicht oder auf die Tat.“

          Wie May weiter sagte, ist auch eine Deutsche bei dem Anschlag in der Hauptstadt verletzt worden. Insgesamt seien Menschen aus mindestens elf Ländern betroffen. Unter den Verletzten seien zwölf Briten, drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils eine Person aus Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten.

          Mit einer Trauerminute gedenkt die Polizeiführung in London der Opfer des Terroranschlags. Ein Polizist kam dabei ums Leben. Bilderstrecke

          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bezichtigt sich als Urheber des Terroranschlags. Ein „Soldat“ des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr „Amaq“ am Donnerstag im Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise der Extremisten. Der Angreifer sei Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS verbreitet. Auf diesem Weg hatten Extremisten auch andere Attentate in Europa für sich reklamiert.

          Bislang acht Festnahmen

          Die Abgeordneten des britischen Parlaments hielten am Donnerstag eine Schweigeminute für die Opfer ab. May sagte danach: „Wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken.“ An der Parlamentssitzung nahm auch der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault teil. Er hatte zuvor die Angehörigen der drei französischen Oberschüler getroffen, die bei dem Anschlag verletzt wurden.

          Am Mittwoch hatte der Täter auf der Westminister-Brücke ein Auto auf den Gehweg gesteuert und viele Fußgänger erfasst. Als der Wagen in einem Zaun vor dem Parlament zum Stehen kam, stieg der Mann aus und erstach einen Polizisten, bevor er überwältigt werden konnte. Im Zusammenhang mit dem Anschlag gab es laut May bis zum Donnerstagvormittag acht Festnahmen.

          Die Tat löste international Bestürzung und Anteilnahme aus. Das britische Parlament und Scotland Yard gedachten ebenso wie Abgeordnete in Deutschland der Opfer. Paris schaltete die Beleuchtung des Eiffelturms ab, das Brandenburger Tor in Berlin sollte in den Farben der britischen Flagge angestrahlt werden. Für diesen Abend ist eine Gedenkveranstaltung auf dem Trafalgar Square in London geplant.

          Öffnen

          Der Terroranschlag beeinflusst nicht den Zeitplan der britischen Regierung zum Ausstieg aus der EU („Brexit“). Premierministerin May will wie geplant am Mittwoch offiziell den Austritt ihres Landes beantragen. Das bestätigte ein Regierungssprecher am Donnerstag. Somit könnten die Austrittsverhandlungen mit Brüssel schon bald darauf beginnen.

          Weitere Themen

          Massenproteste gegen Präsident Keita in Mali Video-Seite öffnen

          Plünderungen und Gewalt : Massenproteste gegen Präsident Keita in Mali

          Das westafrikanische Krisenland Mali wird von Protesten gegen Präsident Ibrahim Boubacar Keita erschüttert. Der hat nun Auflösung des Verfassungsgerichts angekündigt und kam damit einer Forderung der Opposition nach. Die Regierungskritiker wollen allerdings so lange weiterdemonstrieren, bis Keita zurücktritt.

          Topmeldungen

          Polens Präsident Andrzej Duda lässt sich am Wahlabend feiern.

          Prognosen zur Präsidentenwahl in Polen : Knapper Vorsprung für Amtsinhaber Duda

          Das könnte noch umschlagen: Auf Andrzej Duda entfallen laut Prognosen bei der Stichwahl ums Präsidentenamt 51 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer erhält 49 Prozent. Trotz der Ungewissheit hält Duda eine Siegesrede. Die Opposition will das Wahlergebnis anfechten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.