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Londons stiller Triumph : Das Ende der Astra-Zeneca-Skepsis

Lässt Statistiken für sich sprechen: Premierminister Boris Johnson Bild: AFP

Die Zweifel an der Wirksamkeit des Impfstoffs in Berlin und Paris haben in London Befremden hervorgerufen. Das Einschwenken beider Länder auf den britischen Impfkurs wird nun mit Genugtuung quittiert.

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          Als Jonathan Van-Tam, Regierungsberater in medizinischen Fragen, Anfang der Woche auf die „europäische Skepsis“ gegenüber dem in Oxford entwickelten Astra-Zeneca-Impfstoff angesprochen wurde, bemühte er sich um Contenance. „Ich bin nicht hier, um andere Länder zu kritisieren, aber die Daten, die aus unserem Impfprogramm gewonnen wurden, sprechen für sich, und andere Länder wird das zweifellos interessieren.“ Daraufhin bescheinigte ihm der britische Gesundheitsminister Matt Hancock eine „sehr diplomatische“ Antwort und setzte nach: „Ich hoffe, dass Menschen auf der ganzen Welt die Daten studieren und verstehen, was sie bedeuten: Eine Impfung mit Astra-Zeneca oder Pfizer kann Ihr Leben retten.“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die kleine Szene verriet, wie tief das Befremden darüber saß, dass Deutschland und Frankreich die Wirksamkeit des Astra-Zeneca-Impfstoffs seit Wochen in Frage stellten. Immer wieder verwiesen britische Zeitungen auf die Bundeskanzlerin, die sich als „zu alt“ bezeichnet hatte, um das Vakzin nehmen zu dürfen. Erstaunt wurde die Nachricht aufgenommen, dass in Deutschland Halden nicht abgerufener Astra-Zeneca-Dosen entstanden sind, obwohl das Impfprogramm nur langsam vorangeht.

          Oft zitiert wurde auch der französische Präsident Emmanuel Macron, der den Impfstoff als „quasi-ineffektiv“ für alte Leute qualifiziert und sogar die britische Impfstrategie als Ganzes ins Licht der Verantwortungslosigkeit gerückt hatte: Angeblich beschleunige die praktizierte Verzögerung der zweiten Dosis Mutationen. Selbst die BBC nannte es unübersehbar, dass derartige Kritik von einem „Post-Brexit-Groll“ motiviert gewesen sei.

          Mit entsprechender Genugtuung wurde dann registriert, dass im Laufe der Woche erst Paris und schließlich auch Berlin auf den britischen Impfkurs eingeschwenkt sind. Zeitungen berichteten von einer „Volte“ oder einem „U-Turn“. Die Regierung hat die Entwicklung bisher nicht kommentiert. Premierminister Boris Johnson stellte seine Triumphvergleiche schon vor Wochen ein und lässt seither die Statistiken sprechen: Bislang wurden 31 Prozent der Briten und acht Prozent der EU-Bürger geimpft. In der Öffentlichkeit wird die Europäische Union zunehmend als verzweifelt wahrgenommen.

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