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London-Attentäter Butt : Ein wandelndes Warnzeichen

  • Aktualisiert am

Dieses Fitness-Studio im Osten Londons soll Khuram Shazad Butt regelmäßig aufgesucht haben. Bild: AFP

Er war bekennender Islamist und wurde vielfach auffällig. Die britischen Sicherheitsbehörden sahen vom späteren London-Attentäter Khuram Butt dennoch keine Gefahr ausgehen.

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          Der Regent’s Park, im Herzen Londons gelegen, ist ein beliebtes Ziel für Touristen und Bewohner der britischen Hauptstadt. Ein Sinnbild für die kulturellen Errungenschaften des Königreichs. Zwischen dem Nobelviertel Primrose Hill im Norden und einem Ring aus stuckgeschmückten Reihenhäusern umgeben, bieten die großen Rasenflächen reichlich Raum für Spaziergänger, Verliebte, Sportler. Nun droht er zum Sinnbild zu werden für Großbritanniens Scheitern im Umgang mit Islamisten. Denn Khuram Shazed Butt, einer der Attentäter von London, wurde hier schon vor zwei Jahren gefilmt, wie er betete. Zusammen mit Glaubensbrüdern, unbehelligt, vor einer Flagge der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Das Material wurde später vom britischen Fernsehsender „Channel 4“ in einer Dokumentation über salafistische Dschihadisten ausgestrahlt. Butt war offenbar ein Mitglied der Gruppe „Al Muhajiroun“, einem verbotenen Netzwerk salafistischer Dschihadisten, dessen Wurzeln zurückreichen bis in die Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts und deren Anführer Anjem Choudrary in Verdacht steht, in Verbindung mit der Rekrutierung von über 100 britische Terrorverdächtigen zu stehen.

          Wie die Londoner Polizei am Montag zugab, war der 27 Jahre alte Sohn pakistanischer Einwanderer dem britischen Inlandsgeheimdienst MI-5 bereits seit damals bekannt. Wie der britische „Guardian“ berichtet, habe sich Monate später dann auch noch ein Bürger über die Anti-Terrorismus-Hotline gemeldet und besorgt über Butts Extremismus gezeigt. Dennoch: Die Untersuchungen der Sicherheitsbehörden führten laut Auskunft von Mark Rowley, Großbritanniens Anti-Terror-Chef, zu keinen Hinweisen auf terroristische Aktivitäten. Der Fall Butt sei in die „unteren Ränge“ der 500 wichtigsten Anti-Terror-Untersuchungen eingeordnet worden.

          Das änderte sich offenbar auch im vergangenen Monat nicht, als der 27 Jahre alte Islamist im Osten Londons versuchte, Menschen davon abzuhalten, sich an den vorgezogenen britischen Parlamentswahlen zu beteiligen, die am kommenden Donnerstag stattfinden werden. Wie der „Guardian“ unter Berufung auf Gemeindekreise berichtet, soll Butt der Zugang zur „East London Moschee“ verweigert worden sein, da man dort wegen seiner Aktivitäten „besorgt“ gewesen sei – und das nicht zum ersten Mal. Schon 2015 habe Butt Ähnliches versucht. Aus einer Moschee der Ibaditen, einer islamischen Glaubensgemeinschaft, sei er gewaltsam verwiesen worden, nachdem er den Imam mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochen habe.

          Nachbarn waren schon länger besorgt wegen Butt

          Auch in der Nachbarschaft wurde Butt offenbar mit gemischten Gefühlen gesehen. Während ihn ein Nachbar als „sozialen und freundlichen Jungen“ beschrieb, der gelegentlich Tennis und Fußball gespielt und sogar Nachbarn zum Barbecue eingeladen habe, gaben andere gegenüber dem „Guardian“ an, sie seien wegen ihm schon länger besorgt gewesen. Eine Nachbarin sagte, sie habe skeptisch verfolgt, dass er stets nur Jungen und Männer eingeladen habe. Eine weitere Nachbarin berichtete, sie habe die Polizei informiert, nachdem sie mitbekommen habe, wie er versucht habe, Kinder zu radikalisieren.

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          Auch ein mutmaßlicher Freund Butts will Alarm geschlagen haben, nachdem er ihn beim Schauen von Videos des amerikanischen Hasspredigers Ahmad Mus Jibril gesehen habe. Der Freund will die Anti-Terror-Hotline angerufen haben.

          Ob diese Hinweise den britischen Sicherheitsbehörden in ihrer Gänze nicht bekannt waren oder sie sie falsch einordneten, ist nicht bekannt. Vielleicht aber ließen sie sich auch von Butts Liebe zum Fußball blenden. Am Tage des britischen Fußballpokal-Finales habe er noch mit Butt aufgeregt darüber diskutiert, ob Arsene Wenger Trainer von Arsenal London bleiben solle, sagte der Freund dem „Guardian“.

          Kurz darauf machte sich der Familienvater im Trikot seines Lieblingsvereins in den von ihm gemieteten Lieferwagen in Richtung London Bridge zu seiner Todesfahrt auf.

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