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Von Spanien bis Australien : Vorsichtige Lockerung der Corona-Beschränkungen in etlichen Staaten

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Zwei Mädchen mit Mundschutz reinigen sich mit einer hydroalkoholische Lösung die Hände an einer Straße in Palma de Mallorca. Bild: dpa

Endlich wieder Kinderlachen auf der Straße, endlich wieder Joggen im Park, endlich wieder zum Friseur – in Trippelschritten lockern viele Regierungen die Corona-Beschränkungen. Doch dazu kommt die Warnung: Längst ist die Pandemie nicht überstanden.

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          Nach wochenlangem Stillstand wegen der Corona-Pandemie lockern einige Staaten vorsichtig und schrittweise ihre teils einschneidenden Beschränkungen im Alltags- und Wirtschaftsleben. So können etwa bald mehr Kinder wieder zur Schule oder in die Kita gehen, Bürger öfter Sport im Freien machen und Läden unter strengen Auflagen wieder öffnen. Die Lage in einzelnen Staaten:

          ITALIEN – Plan zur schrittweisen Öffnung des Landes

          Italien hebt ab dem 4. Mai eine Reihe von Beschränkungen auf und erlaubt etwa wieder mehr Sport im Freien und mehr Bewegungsmöglichkeiten in der eigenen Region. Das kündigte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Sonntagabend zusammen mit seinem Plan zur Öffnung des Landes an. Auch die Wirtschaft soll in mehreren Etappen starten. Italiens Schulen bleiben aber bis zu den Sommerferien geschlossen, sie öffnen erst im September wieder.

          Italien registrierte seit Februar mehr als 26.600 Corona-Tote. Insgesamt zählte der Zivilschutz fast 200.000 Menschen, die sich mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert hatten – es gibt aber eine hohe Dunkelziffer. Nach Wochen des steilen Anstiegs der Zahlen gab es dennoch zuletzt positive Signale. So entspannte sich die Lage in den lange überfüllten Krankenhäusern.

          SCHWEIZ – Friseure und Baumärkte öffnen

          Ab diesem Montag dürfen etwa Friseurgeschäfte, Kosmetik- oder Nagelstudios sowie Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen. Ärzte und Physiotherapeuten können ihre Praxen wieder auch für nicht dringende Termine öffnen, Krankenhäuser dürfen wieder seit Beginn der Krise aufgeschobene Eingriffe vornehmen. Maskenpflicht besteht in der Schweiz nicht, aber die Läden müssen verschärfte Hygieneauflagen einhalten und für Abstand zwischen den Kunden sorgen. Schulen und weitere Geschäfte sollen in zwei Wochen wieder öffnen. Wenn die Zahl der Infektionen nicht deutlich steigt, sollen ab 8. Juni auch Berufs- und Hochschulen sowie Museen, Bibliotheken und Zoos wieder öffnen.

          TÜRKEI – Ausgangssperre geht zu Ende

          Nach einer viertägigen weitgehenden Ausgangssperre in der Millionenmetropole Istanbul und 30 weiteren Städten und Provinzen in der Türkei dürfen die Menschen ihre Häuser wieder verlassen. Das Ausgehverbot lief in der Nacht zu Montag ab. Die Maßnahme war seit Donnerstag, einem Feiertag in der Türkei, in Kraft. Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der am Freitag begonnen hatte, ist in der Türkei das Fastenbrechen in Gruppen untersagt. Die Behörden erlassen seit drei Wochen in 31 Städten und Provinzen weitgehende Ausgangssperren übers Wochenende. Zudem gilt ein Ausgehverbot für Menschen ab 65 Jahren und – mit Ausnahmen – für unter 20-Jährige. Gesundheitsminister Fahrettin Koca teilte am Sonntagabend via Twitter mit, an einem Tag seien 2357 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden und 99 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Insgesamt hat die Türkei rund 110.000 Coronavirus-Fälle gemeldet, rund 2800 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Bislang wurden nach offiziellen Angaben rund 890.000 Menschen getestet.

          GROSSBRITANNIEN – Rückkehr des Premiers mit Spannung erwartet

          In Großbritannien wird am Montag mit Spannung erwartet, wie sich Premierminister Boris Johnson nach überstandener Covid-19-Erkrankung präsentiert. Der 55-Jährige Tory-Politiker hatte sich in den vergangenen zwei Wochen auf dem Landsitz Chequers erholt. Zuvor musste er nach der Infektion eine Woche im Krankenhaus verbringen, drei Tage sogar auf der Intensivstation. Erst am Sonntagabend war er wieder in den Regierungssitz Downing Street zurückgekehrt, am Montag leitet er eine Sitzung des Corona-Kabinettsausschusses. Seine Regierung steht wegen der hohen Zahl an Todesfällen durch das Coronavirus unter Druck. Am Samstag überstieg die Gesamtzahl der im Krankenhaus gestorbenen Infizierten die Marke von 20.000. Trotzdem werden die Rufe nach einer Lockerung der Kontaktbeschränkungen wegen der Schäden für die Wirtschaft immer lauter.

          SPANIEN – Endlich wieder Kinderlachen auf der Straße

          In dem vom Virus stark getroffenen Land war am Sonntag endlich wieder Kinderlachen und fröhliches Gekreische auf den Straßen zu hören. Nach sechs Wochen kompletter Ausgehsperre durften Kinder bis 14 Jahre erstmals wieder das Haus verlassen – und das sind landesweit etwa 5,8 Millionen. Es gelten aber strenge Auflagen: Nur ein Elternteil darf maximal drei Kinder begleiten, zudem ist die Zeit der täglichen Ausflüge auf eine Stunde zwischen 9 und 21 Uhr in einem Radius von einem Kilometer begrenzt.

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