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Litwinenko-Mord : Ein Flugzeug, ein Mietshaus, ein Anwesen

  • Aktualisiert am

Im Schutzanzug durchsucht ein Polizeibeamter eine Hamburger Wohnung Bild: ddp

Radioaktive Spuren in einem Hamburger Mietshaus und im Landkreis Pinneberg, Untersuchungen in einer „Germanwings“-Maschine: Im Mordfall am ehemaligen russischen Geheimdienstagenten Litwinenko wird auch in Deutschland ermittelt.

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          Sicherheitsbehörden haben das Flugzeug sichergestellt, mit dem der ehemalige russische Geheimdienstler Dmitri Kowtun am 1. November von Hamburg nach London geflogen ist. Es haben sich an Bord der betroffenen Maschine aber „keine Spuren“ von Polonium gefunden, teilte die Airline am Samstagnachmittag in Köln mit. Auch für alle Passagiere, die am 1. November mit dem Airbus A319 von Hamburg nach London-Gatwick geflogen waren, könne Entwarnung gegeben werden.

          Der Giftmord an dem ehemaligen russischen Geheimdienstler Alexander Litwinenko in London im Vormonat zieht auch Kreise in der Hansestadt Hamburg und ihrer Umgebung. Bei der Suche nach eventuellen Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 in einem Wohnhaus des russischen Geschäftsmannes und ehemaligen Agenten Dmitri Kowtun in Hamburg-Ottensen hatten Spezialisten des Bundeskriminalamts (BKA) am Freitag abend Anhaltspunkte dafür entdeckt, daß dort „einmal eine Strahlenquelle gewesen war“. Ob es sich dabei um den hochgiftigen Stoff Polonium handelt, wurde von den Ermittlern zunächst nicht bestätigt. Am frühen Samstag morgen wurde im Rahmen der Ermittlungen in Haselau im Kreis Pinneberg ein Haus durchsucht, bestätigte Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Auch dort wurden Spuren einer Kontamination gefunden.

          Kowtun war am 1. November in London mit Litwinenko zusammengetroffen. Litwinenko war vermutlich an diesem Tag mit Polonium vergiftet worden und drei Wochen später in einem Londoner Krankenhaus gestorben. Spekulationen, nach denen der Mord an Litwinenko in Hamburg vorbereitet worden war, wurden von den Ermittlern in der Hansestadt kategorisch zurückgewiesen. „Zu diesem Zeitpunkt gilt dieser Mann nicht als Beschuldigter“, sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden.

          Die Bewohner müssen das Wohnhaus in Ottensen verlassen

          „Der Dritte Mann“ ermittelt

          Polizei und BKA richteten inzwischen eine Sonderkommission „Dritter Mann“ ein. Auch Experten mehrerer Bundesbehörden und von Scotland Yard beteiligten sich an den Untersuchungen in Hamburg. Die Polizei hatte das Wohnhaus Kowtuns in Hamburg am Freitag abend weiträumig abgesperrt. Experten des BKA durchsuchten dabei vier Wohnungen. In der Wohnung des 41jährigen wurden keine radioaktiven Spuren entdeckt, dafür aber „an zwei Örtlichkeiten“ in der Wohnung der ehemaligen Frau Kowtuns. Im Laufe des Tages sollte eine Feinuntersuchung nähere Aufschlüsse bringen, teilte die Polizei mit. Dazu müsse das Gebäude evakuiert werden. Die ehemalige Frau Kowtuns wurde am Samstag von der Polizei betreut und verhört.

          Das in der Hasseldorfer Marsch bei Pinneberg überprüfte Anwesen gehört der früheren Schwiegermutter Kowtuns. Dort seien am Morgen ebenfalls „Hinweise auf eine Kontamination“ entdeckt worden, sagte Polizeisprecherin Sweden. Das Haus wurde versiegelt, auch dort war eine Feinuntersuchung geplant.

          Bitte melden: Wer hatte Kontakt zu Kowtun?

          Britische und russische Medien hatten zuvor berichtet, daß der frühere Geheimdienstler Kowtun am 1. November aus Hamburg zu dem Treffen mit Litwinenko nach London geflogen sei. Kowtun lag nach Meldungen der Nachrichtenagentur Interfax vom Freitag mit schwerer Strahlenkrankheit in einem Moskauer Krankenhaus. Der Hauptzeuge im Litwinenko-Skandal, der russische Geschäftsmann und ebenfalls ehemalige Geheimdienstler Andrej Lugowoj, bezeichnete dagegen am Samstag den Gesundheitszustand Kowtuns als „zufriedenstellend“.

          Die Hamburger Polizei hatte schon am Vorabend ein Bürgertelefon unter der Nummer 040 - 426765 eingerichtet. Alle Personen, die in letzter Zeit Kontakt zu Kowtun hatten, wurden gebeten, sich zu melden. Zudem wurden alle Menschen, die Kontakt zur ehemaligen Frau Kowtuns hatten, zur Abgabe einer Urinprobe aufgerufen. Die Behörden wiesen darauf hin, daß Polonium 210 eine schwach strahlende Substanz sei, die außerhalb eines Radius von 3,8 Zentimetern keine Wirkung entfalte.

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