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Präsidentenwahl : „Messias“ Obrador gewinnt in Mexiko

Bild: AFP

Mexiko steht vor einem politischen Umbruch: Andrés Obrador gewinnt die Präsidentenwahl mit großem Vorsprung. Die Regierungspartei PRI erleidet einen historischen Absturz.

          Mexiko erlebt einen politischen Erdrutsch. Mit klarem Vorsprung setzt sich der 64 Jahre alte Linksnationalist Andrés Manuel López Obrador in der Präsidentenwahl durch. Die ersten Resultate am Sonntagabend bestätigten die Hochrechnungen, die dem Kandidaten zwischen 43 und 49 Prozent der Stimmen gaben. Die Kontrahenten blieben unter 30 Prozent und ließen mit ihren Glückwünschen an López Obrador nicht lange auf sich warten.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Auf den Straßen in Mexiko-Stadt und anderen Städten des Landes feierten die Anhänger den Sieg ihres Kandidaten ausgiebig. Auf dem Zócalo, dem großen Platz im Zentrum der Hauptstadt versammelten sich Zehntausende und erwarteten die Ankunft von López Obrador, der von einigen wie ein Messias verehrt wird.

          López Obrador war bereits 2006 und 2012 als Kandidat für die Präsidentschaft angetreten – damals noch für die traditionelle linke „Partei der demokratischen Revolution“ (PRD), zu deren Gründungsmitgliedern er gehörte. Vor vier Jahren gründete er die „Bewegung der nationalen Erneuerung“ (Morena). Einige Mexikaner sagen, López Obrador befinde sich schon ein 18 Jahren im Wahlkampf. Dennoch gelang es ihm in den vergangenen Monaten, sich als der Außenseiter und der Gegenkandidat es Establishments hervorzutun.

          Gewalt, Korruption und Armut

          Das ist vor allem auf eine große Frustration zurückzuführen, die sich in Mexiko angestaut hat. Den bisherigen Regierungen der „Partei der institutionellen Revolution“ (PRI) und der „Nationalen Aktionspartei“ (PAN) war es nicht gelungen, die Probleme Mexikos zu bekämpfen. Im Gegenteil: Die Gewalt ist weiter angestiegen, die Wahrnehmung der Korruption hat sich geschärft, während sich die Armut und Ungleichheit nicht verringert haben. In dieser Wahl haben die Kandidaten der PRI und der PAN die Quittung erhalten. Sie waren eigentlich von Beginn an chancenlos. Für viele Mexikaner gab es keine andere Wahl als López Obrador, selbst wenn sie politisch nicht mit allem einig sind, was er verspricht. 

          Der Sieg von López Obrador und seiner Morena-Partei, die er um sich formiert hat, geht jedoch über die Präsidentschaft hinaus. Mexiko hat am Sonntag auch den Kongress, verschiedene Gouverneure, Regionalparlamente und Bürgermeister gewählt. Er war der größte Wahlgang in der Geschichte des Landes. Der Sieger heißt praktisch auf der gesamten Linie Morena. Laut Hochrechnungen dürfte die junge Partei in den kommenden sechs Jahren die Regierung von Mexiko-Stadt stellen, eines der einflussreichsten Ämter im Land. Auch die Mehrzahl der acht abgehaltenen Gouverneurswahlen dürfte Morena für sich entschieden haben. Ebenso wird sich die Partei im Kongress als stärkste Fraktion etablieren.

          Die Auszählung gibt derzeit noch keinen genauen Aufschluss über die Anzahl der gewonnenen Sitze, doch es ist gut möglich, dass sich die Prognosen bestätigen, laut denen Morena im Kongress eine absolute Mehrheit erringen könnte. Dieses Szenario löst bei vielen Mexikanern Unbehagen aus. 

          Regierungspartei PRI stürzt ab

          So oder so hat die Wahl einen politischen Erdrutsch bewirkt. Die Regierungspartei PRI, die einst eine hegemoniale Macht in Mexiko besaß und praktisch die absolute Kontrolle über den Staat ausübte, ist an diesen Sonntag abgestürzt. Und auch die PAN muss – wenngleich weniger arg – herbe Verluste hinnehmen. López Obrador werden die Türen weit offen stehen, um seine Versprechen umzusetzen.

          Und an Versprechen mangelt es nicht: Er will den Staat ausmisten und Privilegien abschaffen, der Korruption ein Ende setzen und das eingesparte Geld in die soziale Entwicklung stecken. Er will Mexiko unabhängiger machen, indem er die nationale Produktion fördert. Er will die Armut und die Gewalt bekämpfen. Wie er das konkret bewerkstelligen will, hat López Obrador bisher nur spärlich erklärt. Sicher ist jedenfalls, dass kaum ein Präsident vor ihm einen solch starken Rückhalt in der Bevölkerung besaß. Das ist eine große Chance – und mindestens eine ebenso große Verantwortung.

          Was López Obrador daraus machen wird, wenn er Ende Jahr sein Amt antritt, bleibt abzuwarten. Die Ungewissheit, die mit seiner Wahl verbunden ist, wird deshalb nicht einfach verschwinden. Doch da sich Mexiko und die Welt schon seit einigen Wochen an diesen Gedanken gewöhnen konnten, wird er keine Panik mehr auslösen.

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