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Likud-Partei : Scharon gewinnt Machtprobe mit Netanjahu

  • Aktualisiert am

Vorgezogene Wahl oder nicht? Ariel Scharon bei der Stimmabgabe Bild: dpa/dpaweb

Benjamin Netanjahus Plan, den israelischen Ministerpräsidenten Scharon in einer vorgezogenen Wahl als Vorsitzenden der Likud-Partei abzulösen, ist am Votum des Zentralkomitees der Partei gescheitert. Indes setzte Israel die Angriffe im Gazastreifen fort.

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          Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon (77) hat sich am Montag in einer Machtprobe mit seinem politischen Rivalen Benjamin Netanjahu (55) durchgesetzt. Scharon gewann nach israelischen Medienberichten eine Abstimmung im Zentralkomitee seiner Likud-Partei über vorgezogene Wahlen zum Parteivorsitz.

          Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Tsachi Hanegbi, sagte, 1329 Mitglieder hätten das Vorziehen der Wahlen befürwortet, 1433 hätten sich dagegen ausgesprochen.

          Nach dem von Scharon initiierten Rückzug aus dem Gazastreifen hatte Netanjahu mit der Abstimmung die Weichen für sein politisches Comeback als Ministerpräsident stellen wollen. Netanjahu war im August, unmittelbar vor Beginn des Rückzugs aus dem Gazastreifen, als Finanzminister unter Protest zurückgetreten. Scharon, der die Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen gegen den Mehrheitswillen seiner Partei durchgesetzt hatte, tritt für planmäßige Wahlen im nächsten Frühjahr ein.

          Israel : Scharon gewinnt Machtkampf im Likud

          Schweigend vor den Mitgliedern des Zentralkomitees

          Auf einer Versammlung der Likud-Partei am Sonntag abend hatte Scharon wegen eines demolierten Lautsprechers nicht reden können. Die israelische Polizei nahm deswegen Ermittlungen auf. Es soll geklärt werden, wer die Sprechanlage außer Betrieb setzte. Es wird davon ausgegangen, daß parteiinterne Gegner Scharon mundtot machen wollten. Scharon mußte am Sonntag abend minutenlang schweigend vor den Mitgliedern des Zentralkomitees stehen. Schließlich verließ er die Veranstaltung, ohne seine Rede gehalten zu haben.

          Scharon regiert derzeit in einer großen Koalition mit der Arbeitspartei von Schimon Peres. Die nächste Parlamentswahl steht im November 2006 an.

          Angriffe im Gazastreifen in der Nacht fortgesetzt

          Indes setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen in der Nacht fort. Augenzeugen zufolge wurden in Beit Hanun zwei Brücken zerstört. Von dem Ort aus hatten radikale Palästinenser wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär teilte mit, die Brücken seien von Radikalen benutzt worden. Minuten später zerstörte die Luftwaffe auch eine Wechselstube und eine Akademie in Chan Junis. Die Armee sagte, der Betreiber der Stube habe mit Extremisten der Hamas zusammengearbeitet. Bewohner sagten jedoch, er sei von der Fatah. Über Verletzte lagen keine Berichte vor.

          In den vergangenen Tagen haben sich die Auseinandersetzung zwischen den Palästinensern und Israel wieder verschärft. Nach Dutzenden von palästinensischen Raketenangriffen ermächtigte Scharon die Armee zum ersten Mal seit der im Februar beschlossenen Waffenruhe wieder, radikale Palästinenser gezielt zu töten. Zudem erlaubte er den Einsatz von Artillerie und ließ Truppen im Grenzgebiet für eine Bodenoffensive zusammenziehen. Im Westjordanland nahm die Armee am Sonntag zudem bei der größten Razzia seit Monaten mehr als 200 mutmaßliche Extremisten fest, darunter zwei Hamas-Anführer. Israel hatte am 12. September die Räumung des Gazastreifens abgeschlossen.

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