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„Lifeline“-Prozess : Gutachter bekräftigt Vorwürfe gegen deutschen Kapitän

  • Aktualisiert am

Claus-Peter Reisch nach dem ersten Prozesstag Anfang Juli Bild: Reuters

Auf dem deutschen Rettungsschiff sollen die für Seenotrettung erforderlichen Dokumente nicht vorgelegen haben. Der Kapitän vermutet hinter dem Prozess in Malta unterdessen weiter eine politische Motivation.

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          Im Prozess gegen den Kapitän des deutschen Seenotrettungsschiffs „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, auf Malta hat ein Gutachter die Vorwürfe bekräftigt. Bei einer Anhörung am Montag in der Hauptstadt Valletta legte der vom Gericht beauftragte Gutachter einen Bericht vor, demzufolge an Bord des Schiffs nicht die für Seenotrettung erforderlichen Dokumente vorgewiesen wurden, wie die Tageszeitung „Malta Today“ online meldete.

          Die Besatzung der „Lifeline“ habe keinerlei Nachweis für eine Registrierung bei den niederländischen Schifffahrtsbehörden erbracht, betonte der Gutachter demnach. Damit sei die „Lifeline“ staatenlos. Reisch habe dagegen angegeben, die fragliche Dokumentation sei für Vergnügungsschiffe nicht erforderlich, führte der Gutacher aus. Allerdings sei der Kapitän lediglich befugt, im Mittelmeer innerhalb von 30 Seemeilen vor der Küste Vergnügungsschiffe zu steuern. Das Schiff ist in den Niederlanden über einen Yachtclub angemeldet.

          In Valletta verbarg Reisch seine Empörung darüber und über den Prozess gegen ihn nicht. „Worüber sprechen wir hier? Wir sprechen nicht über die Rettung von Menschen, leider, sondern wir sprechen darüber, ob dieses Boot eine holländische Flagge führen darf, ja oder nein. Und ich sage klar: Ja, darf es, das steht in diesen Zulassungspapieren einwandfrei so drin.“

          Reisch: Vorwürfe sind „haltlos“

          Bereits vor der Verhandlung sagte Reisch am Montagmorgen im ZDF-„Morgenmagazin“, die Vorwürfe gegen ihn seien „haltlos“. Die „Lifeline“ verfüge über ein gültiges internationales Zertifikat eines Wassersportverbandes. „Es ist nicht abgelaufen, es ist nicht gefälscht, es ist nicht selber gemacht“, betonte der Kapitän. Hinter dem Prozess vermutet der Kapitän eine politische Motivation. Man wolle die Seenotrettung privater Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer jetzt „faktisch abschaffen“, sagte Reisch.

          Die „Lifeline“ ist eines von insgesamt vier NGO-Schiffen, die derzeit in Malta und Italien am Auslaufen gehindert werden. Ebenso mussten die Betreiber privater Aufklärungsflugzeuge ihre Arbeit einstellen. „Auf diese Art und Weise kann man natürlich einen Vorhang vor dieses Drama, was im Mittelmeer passiert, ziehen“, sagte Reisch.

          Organisation sammelt weiter Spenden für neues Schiff

          Reisch steht seit dem 2. Juli vor Gericht, weil er die „Lifeline“ fehlerhaft registriert haben soll. Im Fall einer Verurteilung droht dem 57 Jahre alten Kapitän eine Geldstrafe bis zu 11.600 Euro oder ein Jahr Haft. Die „Lifeline“ wurde von den maltesischen Behörden beschlagnahmt. Das von der Dresdner Hilfsorganisation betriebene Schiff hatte Anfang Juli erst nach mehreren Tagen die Erlaubnis zum Einlaufen in einen maltesischen Hafen erhalten. Zuvor hatten sich acht EU-Staaten zur Aufnahme der 234 geretteten Flüchtlinge an Bord des Schiffes bereiterklärt. Italien und Malta hatten ihre Häfen im Juni für Rettungsschiffe geschlossen.

          Die nächste Anhörung in dem Verfahren ist für den 23. August geplant, mit einer Entscheidung wird bis September gerechnet. Bis dahin ist Reisch auf Kaution auf freiem Fuß und darf Malta verlassen. Auch zum nächsten Prozesstermin werde er „rechtzeitig“ nach Malta zurückkehren, sagte er in Valletta. Der Kapitän erklärte, die Organisation werde weiter Spenden für ein neues Schiff sammeln. „Wenn sie unser Schiff nicht freigeben, werden wir einfach ein anderes zum Laufen bringen, ganz klarer Fall.“

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