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Verfahren in Malta : „Lifeline“-Kapitän auf Kaution frei

  • Aktualisiert am

Vor dem Gericht haben die Seenotretter gegen die Anklage des „Lifelife“-Kapitäns Claus-Peter Reisch demonstriert. Bild: Reuters

Auf Malta steht der deutschen Kapitän des Rettungsschiffes „Lifeline“ vor Gericht. Nun wurde er gegen eine Kaution vorerst entlassen. Ein deutscher Satiriker sammelt derweil Spenden für die Seenotretter.

          Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, steht seit Montag im maltesischen Valletta vor Gericht. Laut Anklageschrift sei das Schiff in den Niederlanden falsch registriert. Das Gericht müsse nun beurteilen, ob die Registrierung gültig ist.

          Bei der Anhörung warf die Staatsanwaltschaft dem Kapitän nach Berichten der Tageszeitung „Malta Today“ zudem vor, sein Patent gelte nur für die Küstenschifffahrt bis zu 30 Seemeilen von der Küste entfernt, nicht jedoch in internationalen Gewässern. Reisch wurde nach der Anhörung gegen eine Kaution von 10.000 Euro mit der Auflage, Malta nicht zu verlassen, auf freien Fuß gesetzt. Das Rettungsschiff bleibt vorerst beschlagnahmt.

          Der Kapitän wies die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen dagegen zurück. „Unsere Mission hat 234 Menschen gerettet, und ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagte Reisch laut einer Mitteilung seiner Organisation „Mission Lifeline“. Der EU warf Reisch vor, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aus politischen Gründen in Kauf zu nehmen. „Ich stehe hier vor Gericht, aber warum steht hier nicht die libysche Küstenwache? Die haben mich und meine Crew noch vor kurzem mit dem Tod bedroht, und bei deren ‚Rettungen‘ sterben Menschen.“

          „Offensichtliche eine politische Kampagne“

          Ein Sprecher von „Mission Lifeline“ sagte dem Evangelischen Pressedienst, die Gründe der Anklage seien vorgeschoben, um private Seenotretter an ihrer Arbeit zu hindern. Die „Lifeline“ sei seit zwei Jahren zugelassen und sei bisher anerkannt gewesen. „Ganz offensichtlich handelt es sich um eine politische Kampagne.“

          Die maltesischen Behörden hätten neben der „Lifeline“ nun auch anderen Seenotrettern von „Sea-Watch“ und „Seefuchs“ das Auslaufen untersagt. Die „Sea Watch 3“ habe am Morgen den Hafen von Malta verlassen wollen. Die Behörden untersagten dies aber. Die Hafenverwaltung erklärte lediglich, dass der Status der „Sea Watch 3“ überprüft werde.

          Eine juristische Begründung dafür gebe es aber nicht, sagte der Sprecher. „Wir fordern, dass wir fahren können“, betonte er. Seit die zivilen Rettungskräfte an ihrer Arbeit gehindert werden, habe die Zahl der Toten im Mittelmeer deutlich zugenommen. In den vergangenen zwei Wochen seien dort 400 Menschen gestorben.

          Sechs Tage lang mussten 230 Flüchtlinge auf der „Lifeline“ ausharren – kein Hafen wollte das Schiff einlaufen lassen.

          Nach sechs Tagen Odyssee im Mittelmeer war die „Lifeline“ am Mittwochabend in den Hafen von Maltas Hauptstadt Valletta eingelaufen. Zuvor hatten acht EU-Staaten die Aufnahme der mehr als 230 Flüchtlinge an Bord zugesagt. Diese waren am 21. Juni vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet worden.

          Jan Böhmermann initiiert Spendenaktion

          Unterdessen erhält der Dresdner Seenotretterverein „Mission Lifeline“ Unterstützung von Fernsehmoderator Jan Böhmermann. Der Satiriker initiierte eine Online-Spendenaktion, an der sich bis zum Montag mehr als 4.000 Personen beteiligten. Über die Internetplattform Leetchi sind mehr als 88.000 Euro zusammengekommen. Die Aktion läuft noch sieben Tage. Mit dem Erlös soll sich die Besatzung der „Lifeline“ vor allem gegen mögliche rechtliche Konsequenzen wehren können. Neugebauer bestätigte die Aktion zugunsten der Seenotretter.

          Auf der Plattform sowie in einem Youtube-Video hatte Böhmermann seine Spendenaktion kommentiert: „Ich mach's mal kurz und unkompliziert: Der Besatzung der 'Lifeline', die zur Zeit auf Malta festsitzt, wurden rechtliche Konsequenzen angedroht, dafür, dass sie 230 Menschen das Leben gerettet hat.“

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