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Liebesgrüße aus Moskau : Karin Kneissls Band zu Putin

Ein Tänzchen gefällig? Wladimir Putin auf Karin Kneissels Hochzeit, vor dem Weiterflug nach Berlin zu Angela Merkel. Bild: Reuters

Die Parteilose ist österreichische Außenministerin für die FPÖ. Zu ihrer Hochzeit erscheint diesen Samstag ein prominenter Gast: Wladimir Putin.

  • -Aktualisiert am

          Gemessen an den anderen Mitgliedern der österreichischen Regierung, ist Außenministerin Karin Kneissl nur selten in den Schlagzeilen. Und dann das: Am Mittwoch wurde bekannt, dass der russische Präsident Wladimir Putin an Kneissls Hochzeit in der Steiermark anwesend sein wird. Noch am selben Tag bestätigte Putins Sprecher russischen Agenturen zufolge die Meldung: „Ja, Putin wird auf dem Weg nach Berlin kurz vorbeischauen – rein privat.“ Die Außenministerin heiratete am Samstag ihren langjährigen Lebensgefährten, einen steirischen Unternehmer. Und Putin schaute tatsächlich vorbei, bevor er am späten Nachmittag weiter nach Schloss Meseberg nördlich von Berlin reist, wo er Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen wird. Laut Kremlberater Juri Uschakow hat Kneissl die Einladung zu ihrer Hochzeit dem russischen Staatschef persönlich überbracht, als dieser im Juni zu Besuch in Wien war.

          Wer ist diese Frau, die mal eben so den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlädt? Und warum tut sie das überhaupt? Kneissl hat sich zu all dem bisher nicht geäußert. Ganz so, als wäre die Einladung tatsächlich eine rein private Angelegenheit. Das ist sie natürlich nicht. Viel eher passt sie zur neuen strategischen Ausrichtung, die Kneissl für ihr Amt plant. Aber dazu später.

          Wer also ist diese Frau? Zunächst einmal: Sie ist in echt viel größer, als sie im Fernsehen wirkt. Sie sieht aus wie eine Frau, die einmal Leistungssport gemacht hat und die jetzt, mit über fünfzig, immer noch jeden Tag locker einen Kilometer schwimmt. Trotz der Kraft, die man in ihr vermutet, sind ihre Bewegungen zurückhaltend. Selbst der Händedruck; sie beendet ihn, noch bevor sie richtig zugegriffen hat. Um ihre Augen und Mundwinkel herum spielen Lachfältchen. Das Spiel wird immer dann besonders übermütig, wenn die beiden Boxerhunde zu ihren Füßen so laut schnarchen, dass vom Gespräch nicht mehr viel zu hören ist. Manchmal klatscht sie, um die Hunde zu wecken. Meistens aber wartet sie einfach ab, bis das Geschnarche von alleine wieder leiser wird.

          Zusammen mit den Hunden, zwei Ponys, Hühnern und Katzen lebt Kneissl seit vielen Jahren auf einem kleinen Bauernhof. Ob ihr Mann nach der Hochzeit auch dort leben wird, will sie nicht verraten. Als sie noch Publizistin war, ging sie jeden Morgen als Erstes in den Stall, mistete aus, fütterte die Tiere, sammelte die Eier ein, und schrieb danach den Rest des Tages an ihren Artikeln und Büchern. Jetzt reicht die Zeit knapp, um mit den Boxern im nahen Wald spazieren zu gehen. Für die Stallarbeit musste Kneissl jemanden einstellen. Jeden Morgen nach dem Spaziergang fährt ein Chauffeur sie und die Hunde nach Wien zum Außenministerium, abends wieder zurück. Sie mag nicht in die Stadt ziehen, schätzt den Abstand zum Politbetrieb. Vor allem aber fühlt sie sich auf dem Bauernhof zu Hause. Das will sie nicht aufgeben. Sie habe lange nach einem Ort gesucht, an dem sie Wurzeln schlagen könne. Der Bauernhof sei dieser Ort. Endlich wisse auch sie um das Glück von Wurzeln. So steht es in ihrer Autobiographie.

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