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Liebesgrüße aus Moskau : Karin Kneissls Band zu Putin

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Zwei Welpen von PutinsLabrador-Hündin

So sah Kneissls Leben aus, als FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache ihr im vergangenen Herbst den Posten der Außenministerin anbot. Das kam nicht ganz unerwartet. Strache versuchte bereits ein Jahr zuvor vergeblich, Kneissl als Kandidatin für den Präsidentschaftswahlkampf zu gewinnen. Ihm gefielen ihre Artikel, die sie in der Zeit schrieb, als die vielen Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland kamen. Darin bezeichnete Kneissl die Männer unter den Flüchtlingen als „testosterongesteuert“. Sie warnte vor einem „Männerüberschuss“, der jenen in Indien und China noch übertreffe. Der deutschen Kanzlerin warf sie „grob fahrlässiges“ Handeln vor. Sie zweifelte an einer gesamteuropäischen Lösung des Migrationsproblems, nannte das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei „Unfug“. Strache gefielen aber auch die Weltoffenheit Kneissls, ihre Liebe zum Orient und ihre fundierten Kenntnisse in der Geopolitik. Schon länger war er bemüht, seine Partei aus der Schmuddelecke des Rassismus und Antisemitismus herauszuholen und aller Welt zu beweisen, dass die FPÖ eine seriöse Regierungspartei ist. Kneissl half ihm dabei. Für seine Entscheidung, der parteilosen Publizistin das Außenamt anzuvertrauen, heimste er viel Lob ein. Anders als er selbst und die meisten in seiner Partei vertritt sie einen klar proeuropäischen Kurs. Sie hat zwar keinerlei politische Erfahrung, außer dass sie fünf Jahre lang für die ÖVP im Gemeinderat des Dorfes saß, in dem ihr Bauernhof steht. Dafür aber hat sie fachlich einiges mehr auf dem Kasten als viele ihrer Vorgänger. Mitarbeiter im Ministerium beschreiben sie als kompetent, als jemanden, der ein wahres Interesse an der Außenpolitik hat.

Während Strache gehuldigt wurde, musste Kneissl sich oft dafür rechtfertigen, dass sie Straches Angebot angenommen hatte. In den ersten Wochen ihrer Amtszeit wurde sie immer wieder gefragt, warum sie der FPÖ keinen Korb gegeben habe, wie sie zu dieser Partei stehe, zu deren antisemitischen Auswüchsen, deren irrlichternden außenpolitischen Ideen. Sie wurde gefragt, ob sie sich von der FPÖ vereinnahmt fühle, ob sie wirklich unabhängig sei, oder nicht doch der verlängerte Arm der Freiheitlichen. Kneissl erklärte geduldig immer dasselbe: Wer wie sie die Regierung öfter kritisiere, dürfe sich nicht drücken, wenn er die Chance bekomme, selbst anzupacken. Sie sei als Unabhängige ins Amt gekommen, wolle dem Land dienen und fühle sich von niemandem vereinnahmt. Ihre geistige Freiheit werde sie sich immer bewahren. Sie distanzierte sich auch mehrmals vom russlandfreundlichen Kurs der Freiheitlichen. Und als Strache wieder mal die Unabhängigkeit des Kosovos anzweifelte, war sie die Erste, die klarstellte, dass Österreich das Kosovo „unumstößlich“ anerkenne. Irgendwann verlor sie aber die Geduld. Seitdem beantwortet sie Fragen zur FPÖ nur noch mit dem Hinweis, sie habe dazu schon alles gesagt.

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