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Krise im Mittelmeer : Libyens Regierungschef gegen EU-Flüchtlingszentren im eigenen Land

  • Aktualisiert am

Afrikanische Flüchtlinge setzen von Libyen aus nach Europa über Bild: dpa

Statt noch mehr illegale Migranten wünscht sich Fayes al Sarradsch einen globalen Flüchtlingsplan und mehr Hilfe beim Kampf gegen Menschenschmuggler. Seine Küstenwache verteidigt er gegen Kritik.

          Der libysche Regierungschef Fayes al Sarradsch hat sich entschieden gegen Aufnahmezentren der EU für Flüchtlinge in seinem Land ausgesprochen. „Nein, das wird es bei uns nicht geben“, sagte al Sarradsch der „Bild“-Zeitung. „Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte“, fügte er hinzu.

          Libyen lehne Geldzahlungen für ein solches Vorgehen ab. „Wir werden auch keine Deals mit Geld mit der EU machen, um illegale Migranten aufzunehmen", sagte der Chef der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit in Libyen weiter. Die EU solle vielmehr „mit den Ländern reden, aus denen die Menschen kommen und dort auch Druck ausüben“. Al Sarradsch sagte, er wundere sich „sehr darüber, dass in Europa mittlerweile niemand mehr Migranten aufnehmen will, aber uns bittet, hier weitere hunderttausende aufzunehmen“.

          Die EU hatte sich bei ihrem Gipfel Ende Juni auf eine Verschärfung ihrer Einwanderungspolitik verständigt. Sie will unter anderem Migranten in Aufnahmezentren außerhalb der EU unterbringen. Der libysche Regierungschef forderte dagegen einen globalen Plan, um die Flüchtlingskrise zu lösen. Libyen sei nur ein Transitland, das die Menschen für ihre Flucht nutzten. „Wir haben Flüchtlingsunterkünfte für mehrere zehntausend Menschen geschaffen, aber in unserem Land halten sich mehrere hunderttausend illegale Migranten auf, was die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Darunter sind Terroristen, Kriminelle und Menschenschmuggler.“

          Libyen wünscht sich mehr Unterstützung

          Zu Vorwürfen, die libysche Küstenwache habe Menschen zurückgelassen, sagte al Sarradsch der „Bild“-Zeitung: „Das sind ungeheure Vorwürfe, die nicht stimmen und von unserer Küstenwache bereits klargestellt wurden. Wir retten jeden Tag hunderte Menschen vor der Küste Libyens.“ Das Land brauche aber mehr technische und finanzielle Unterstützung. Eine spanische Organisation hatte der libyschen Küstenwache vorgeworfen, bei einem Einsatz zwei Frauen und ein Kind auf hoher See zurückgelassen zu haben.

          Libyens Regierungschef wünscht sich in diesem Zusammenhang mehr Besuche von EU-Politikern in seinem Land: Um Menschenschmuggler stärker bekämpfen zu können, seien globale Anstrengungen notwendig, weil das Schmugglernetzwerk international sei. Wichtig dafür sei, „dass europäische Politiker ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie es in Libyen aussieht“. Er hoffe in diesem Zusammenhang auch auf einen baldigen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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