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Libyens Rebellenführer Haftar : Der eigensinnige Kriegsherr

Chalifa Haftar nach einem Treffen mit dem griechischen Außenminister Nikos Dendias in Athen am 17. Januar 2020. Bild: EPA

Die Bemühungen um Frieden in Libyen kreisen vor allem um Chalifa Haftar. Er gilt als ausgesprochen stur - sogar seinen Förderer Putin stieß er vor den Kopf. Auf Betreiben der Vereinigten Arabischen Emirate?

          4 Min.

          Ganz sicher kann man sich wohl erst sein, wenn Chalifa Haftar tatsächlich in Berlin landet. Der ostlibysche Militärführer hat den deutschen Außenminister Heiko Maas zwar mit der Zusage aus Benghasi verabschiedet, an diesem Sonntag am internationalen Libyen-Gipfel teilzunehmen. Aber er hat auch mehr als einmal bewiesen, dass er nicht davor zurückschreckt, wichtige Akteure vor den Kopf zu stoßen. Ob es sich nun um Vermittler handelt oder um Alliierte. Der Eigensinn der Libyer hat die Frustrationstoleranz der internationalen Diplomatie in den vergangenen Jahren immer wieder auf harte Proben gestellt. Vor allem Haftar hat sich als harter Brocken herausgestellt. Auch deshalb, weil mancher in den Reihen seiner Unterstützer ihn darin ermutigt.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Seinen jüngsten Feldzug hatte der Warlord aus dem Osten Libyens zu einer Zeit begonnen, in der UN-Generalsekretär António Guterres selbst in Libyen weilte. Die unter Ägide der Vereinten Nationen organisierte „Nationale Konferenz“ sollte bald abgehalten werden, um den politischen Prozess voranzubringen, der eine Verständigung der verfeindeten Kräfte erreichen soll. Auf der einen Seite steht die unter UN-Vermittlung eingesetzte „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ von Fajez Sarradsch, auf der anderen das Lager um eine Gegenregierung, die im Osten Libyens ansässig ist. Haftar ist deren Armeechef und Anführer. Er brach in jenem April des vergangenen Jahres lieber einen Krieg um die Hauptstadt Tripolis vom Zaun und ließ sich auch nicht umstimmen, als Guterres ihn persönlich aufsuchte. Der UN-Generalsekretär reiste „schweren Herzens“ und „tief besorgt“ aus Libyen ab, die „Nationale Konferenz“ musste verschoben werden.

          Erdogan schäumte vor Wut

          Knapp neun Monate später gab Haftar abermals deutlich zu erkennen, dass er wenig Interesse daran hat, den zerstörerischen Machtkampf, der in Libyen seit Jahren tobt, am Verhandlungstisch zu beenden. Dieses Mal brüskierte der berüchtigte General zwei mächtige Männer: den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der den selbsternannten Feldmarschall aus dem Osten Libyens fördert, und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan, der die Sarradsch-Regierung unterstützt. Eine russisch-türkische Initiative wollte Sarradsch und Haftar dazu bringen, am Montag in Moskau ein Waffenstillstandsabkommen zu schließen. Sarradsch unterzeichnete, Haftar erbat sich Bedenkzeit – und reiste ab, ohne das Dokument zu unterschreiben. Sein Gastgeber und Förderer Putin war bloßgestellt, sein Widersacher Erdogan schäumte vor Wut.

          Für Haftars Moskauer Manöver gibt es mehrere Erklärungen. Grundsätzlich widerstrebt ihm eine Verhandlungslösung in Libyen, die auf eine gemeinsame Machtausübung hinausläuft, denn Haftar will lieber alleine herrschen – und er ist für seine Sturheit und Kompromisslosigkeit berüchtigt. Im Osten Libyens, wo er schon das Sagen hat, herrscht der Militärführer mit harter Hand. Widersacher verschwanden oder wurden getötet; wie der 2011 gestürzte Gewaltherrscher Muammar al Gaddafi, zu dessen engen Gefolgsleuten Haftar einmal gezählt hatte, stattete er Söhne mit der Befehlsgewalt über Einheiten seiner Streitkräfte aus. Die „Libysche Nationale Armee“, die Haftar kommandiert, ist indes weit weniger staatstragend, als es ihr Titel vermuten lässt.

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