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Gemeinsames Einsatzzentrum : Libyen und Italien verschärfen Kampf gegen Schlepperbanden

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Flüchtlinge aus Afrika halten im Januar 2017 vor der Küste von Libyen in einem Schlauchboot durch, bis sie schließlich gerettet werden. Bild: dpa

Libyen und Italien richten ein gemeinsames Einsatzzentrum ein, um Schlepperbanden wirksamer zu bekämpfen. Auch die Grenzüberwachung soll verschärft werden.

          Italien und Libyen weiten ihre Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Menschenschmugglern aus. Die Innenminister der beiden Länder, Marco Minniti und Aref Chodscha, kündigten am Samstag in Tripolis die Einrichtung eines gemeinsamen Einsatzzentrums an. Dort sollen aus Libyen und Italien Vertreter der Küstenwachen, der Einwanderungsbehörden, der Generalstaatsanwaltschaften und der Geheimdienste Seite an Seite arbeiten, um das Schmuggeln und Schleusen von Flüchtlingen nach Europa einzudämmen.

          Minniti sagte dem nordafrikanischen Land 35 Millionen Euro aus Europa zur besseren Überwachung seiner Grenzen zu.Weitere Details, wie etwa der Sitz des Zentrums, wurden nicht genannt. Die italienische Marine ist nach Angaben von Regierungsvertretern bereits im Hafen von Tripolis präsent, um die libysche Küstenwache „technisch zu unterstützen“.

          Mehr als 600.000 Menschen haben sich in den vergangenen vier Jahren von Libyen aus auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa gemacht. Seit Juli sind die Zahlen erheblich zurückgegangen, nachdem auf Druck Italiens die libyschen Behörden damit begannen, Migranten an der Abfahrt zu hindern.

          Libyens Ministerpräsident Fajes Al-Sarradsch hatte am Donnerstag über die „überwältigende Zahl“ von Flüchtlingen und Migranten in seinem Land geklagt. Neben rund 20.000 Menschen in den 42 vom Innenministerium kontrollierten Auffanglagern hielten sich schätzungsweise 500.000 weitere Migranten in Libyen auf, sagte er.

          Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Die Zentralregierung in dem nordafrikanischen Land hat über weite Teile des Staatsgebiets keine Kontrolle. In vielen Regionen haben bewaffnete Milizen das Sagen und verdienen vielfach auch am Schleusergeschäft mit.

          Ein Bericht, wonach in Libyen Flüchtlinge als Sklaven verkauft werden, hatte im November für Entsetzen gesorgt. Hilfsorganisationen berichten schon länger über Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit von Flüchtlingen in Libyen. Al-Sarradsch erklärte sich am Donnerstag zur Zusammenarbeit seiner Regierung mit regionalen und internationalen Organisationen bereit, „um das Leid dieser Migranten zu lindern und sie in ihre Ursprungsländer zurückzubringen“.

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