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Libyen : Migrant vor Augen von UN-Helfern erschossen

  • Aktualisiert am

Ein Migrant in einem Lager in der libyschen Hauptstadt Tripoli, das Anfang Juli durch einen Raketeneinschlag zerstört wurde Bild: EPA

In Libyen ist ein Migrant aus dem Sudan auf einem Militärgelände getötet worden – während Helfer der Vereinten Nationen in unmittelbarer Nähe waren.

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          Vor den Augen von UN-Helfern ist in Libyen ein Migrant aus dem Sudan erschossen worden. Die UN-Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) verurteilten den Vorfall am Freitag in Genf scharf. Es sei ein neuer Beweis dafür, dass das Bürgerkriegsland Libyen kein sicheres Land sei und Migranten unter keinen Umständen dorthin zurückgebracht werden dürften, sagte UNHCR-Sprecher Charlie Yaxley in Genf.

          Eine solche Tragödie sei nur eine Frage der Zeit gewesen, sagte IOM-Sprecher Leonard Doyle. Der Mann sei in einer Gruppe von 103 Menschen gewesen, die die Küstenwache bei der versuchten Flucht Richtung Europa abgefangen und nach Libyen zurückgebracht hatte, berichtete eine IOM-Sprecherin. Die Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, hätten sich gewehrt, weil sie in ein Internierungslager gebracht werden sollten. IOM-Helfer waren vor Ort. Wer bei dem Vorfall auf dem Militärgelände Abusitta geschossen habe, sei unklar, sagte die Sprecherin.

          Menschenrechtler kritisieren die EU, weil sie die libysche Küstenwache unterstützt, Migranten abzufangen und zurück an Land zu bringen. In den libyschen Internierungslagern herrschen nach Angaben von UN-Organisationen unmenschliche Zustände. Die Menschen seien eingepfercht, würden kaum versorgt und Gewalt sei an der Tagesordnung. Vor zwei Monaten waren 53 Migranten bei einem Luftangriff auf ein Internierungslager in Tadschura im Osten der Hauptstadt Tripolis umgekommen.

          Die EU zeigte sich bestürzt über den aktuellen Vorfall, wies aber jegliche Verantwortung zurück. Das Ziel der Unterstützung der libyschen Küstenwache sei es, diese so auszubilden, dass sie Menschen vor dem Ertrinken retten könne, erklärte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Freitag in Brüssel. Ein wichtiger Teil des Trainings seien Menschenrechte. Sie betonte zudem, dass sich auch die EU für die sofortige Schließung der Internierungslager einsetze. Diese müssten durch Aufnahmeeinrichtungen nach internationalen Standards ersetzt werden. „Das Ziel ist es, Schutz zu gewährleisten und gefährdeten Migranten und Flüchtlingen zu helfen“, sagte Sprecherin Maja Kocijancic.

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