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Liberias früherer Präsident : Taylors blutige Karriere

  • -Aktualisiert am

Freetown am Donnerstag: Ein Straßenhändler schaut der Übertragung des Schuldspruchs zu. Bild: REUTERS

Vor Gericht stand Liberias früherer Präsident wegen Verbrechen in Sierra Leone. Was er im eigenen Land tat, steht ihnen in nichts nach. Nun ist Charles Taylor schuldig gesprochen worden.

          Im Sommer 2003 lag Liberias Hauptstadt Monrovia im Sterben. Die täglichen Granatenangriffe der Rebellen der „Liberians United für Reconciliation and Democracy“ (LURD) waren unberechenbar, es gab keinen Strom mehr, kein Wasser, keine sicheren Unterkünfte, nichts zu essen. Jeden Tag fuhr ein Lastwagen des Roten Kreuzes voll beladen mit Leichnamen aus der Stadt hinaus, um die Toten der Nacht in Massengräbern zu beerdigen. Die in der Stadt ausharrenden Menschen wirkten wie Zombies, ausgehungert und vor lauter Verzweiflung häufig nicht mehr Herr ihrer Sinne.

          Da zelebrierte sich Präsident Charles Taylor, den die Rebellen stürzen wollten, ein letztes Mal öffentlich im Samuel-Doe-Stadion am Stadtrand von Monrovia. Dieses Stadion war damals ein Abbild der Hölle. 33000 Flüchtlinge drängten sich in den unterirdischen Gängen, den Duschen, den Umkleidekabinen und den Lagerräumen. Es war dunkel und stickig, der Rauch der offenen Feuer in dieser dantesken Unterwelt zwang den Besucher dazu, die Hände beim Gehen weit nach vorne zu strecken, um in den finsteren Gängen nicht versehentlich eine Hungergestalt umzurempeln. Es roch nach Scheiße und muffiger Kleidung. Und diese zerlumpten Menschen wurden aus den Katakomben ans Tageslicht getrieben, wo der von einer hochglanzpolierten Mercedes-Kolonne begleitete Charles Taylor in einem schneeweißen Maßanzug auftrat.

          Sein Herz sei schwer, sagte Taylor gravitätisch, beschwor „Chaos und Verderben“ für den Fall herauf, dass er tatsächlich aus dem Amt gejagt werden sollte, und drückte sich tatsächlich eine Träne aus dem Augenwinkel. Dass er heil wieder aus dem Stadion herauskam, lag vermutlich nur an der körperlichen Erschöpfung der Flüchtlinge, die einfach zu schwach waren, sich noch zu ereifern. Wenige Tage später lud Taylor seine imposante Autoflotte in zwei nigerianische Militärflugzeuge und trat den Weg ins Exil in die nigerianische Stadt Calabar an, von wo aus er später an das Sondergericht für Sierra Leone überstellt wurde.

          In Den Haag stand Charles Taylor nur wegen seiner Verwicklung in den Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leone vor Gericht. Das Unheil, das er dort anrichtete, war fürchterlich. Doch der Barbarei in Sierra Leone steht das Gemetzel in seinem eigenen Land in nichts nach. Dafür aber wurde Taylor nie angeklagt, und selbst die derzeitige Präsidentin Liberias, die Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf, will davon nichts wissen. Warum? Weil sie Taylor anfänglich unterstützt hat und sich sogar zu der Bemerkung hinreißen ließ: „Monrovia muss brennen!“ Davon hat sich Johnson-Sirleaf zwar inzwischen mehrmals distanziert. Der Makel aber ist geblieben, wie bei so vielen anderen gegenwärtigen Würdenträgern in Liberia, die sich einst auf Taylor eingelassen hatten.

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