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Liberias früherer Präsident : Taylors blutige Karriere

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Taylor hatte auch in Europa den ein oder anderen Freund

Als in Sierra Leone 1991 ein Bürgerkrieg ausbrach, waren die Gegner der Regierung in Freetown sofort Taylors beste Freunde. Schließlich hatten sowohl Sierra Leone als auch Guinea für Samuel Doe Partei ergriffen. Taylors Unterstützung für die sierra-leonische Rebellenbewegung „Revolutionary United Front“ (RUF) ging soweit, dass Taylor eine Zeitlang als ihr heimlicher Chef gehandelt wurde. Die Anführer der RUF, darunter der inzwischen tote Söldner Sam „Moskito“ Bokarie, waren Stammgäste im regierungseigenen Kasino in Monrovia, dem „Hotel Afrika“.

Die Verwicklung Taylors in den sierra-leonischen Bürgerkrieg quittierten die Vereinten Nationen 2001 mit Sanktionen gegen Liberia. Taylor und seine Regierungsmitglieder wurden mit einem Reisebann belegt, doch seltsamerweise wurde der Export liberianischen Holzes, der größte Devisenbringer des Landes, auf Druck Frankreichs von den Sanktionen ausgenommen, was den Verdacht nährte, dass Taylor doch noch den ein oder anderen Freund hatte.

Charles Taylor, während der Schuldspruch verlesen wird

Zu dieser Zeit musste sich Taylor schon seit fast zwei Jahren den Angriffen einer bis dahin unbekannte Rebellengruppe namens LURD erwehren, die von Guinea aus operierten. Guinea hatte über Jahre hinweg liberianische und sierra-leonische Flüchtlinge aufgenommen und sah sich mit Fortgang des Krieges in Sierra Leone regelmäßigen Übergriffen von RUF-Kämpfern ausgesetzt. Ob dies der alleinige Grund war, warum Guinea die LURD finanzierte und ausrüstete, war in dem heillosen Durcheinander längst nicht mehr auszumachen. Tatsache ist, dass den damaligen guineischen Präsidenten Lansana Conté und Taylor eine herzlich Feindschaft verband. Auch über die Hintergründe dieser Beziehung ist viel spekuliert worden. Taylor warf Guinea vor, im Nordosten Liberias Land besetzt zu halten, in dem große Eisenerzvorkommen lagern. Conté wiederum verdächtigt Taylor, den damaligen guineischen Oppositionellen und heuten Präsidenten Alpha Condé zu finanzieren.

Trotz der Sanktionen der Vereinten Nationen schien Taylor bis zum Jahreswechsel 2002/2003 aus der Schusslinie geraten zu sein. Die LURD hielt Lofa County im Norden Liberias besetzt und rannte vergeblich gegen Monrovia an. Die Beziehungen zur Elfenbeinküste schienen ungetrübt, liberianische Würdenträger reisten trotz Reisebanns über Abidjan in alle Welt. Verletzte liberianische Soldaten wurden mit dem Segen des ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo in einer Privatklinik in Abidjan behandelt.

Die Beziehungen änderten sich schlagartig, als sich Ende 2002 nicht nur liberianische und sierra-leonische Söldner in den ivorischen Bürgerkrieg einschalteten, sondern auch reguläre liberianische Truppen, die zum Plündern über die Grenze kamen. Der ivorische Präsident Gbagbo gewährte daraufhin den Rebellen der LURD die Möglichkeit, von Westen her eine zweite Front gegen Taylor zu eröffnen, womit dessen Schicksal besiegelt war. Genutzt hat dies Gbagbo nicht. Er sitzt wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit inzwischen ebenfalls in Den Haag ein, wo er sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten soll.

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