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Liberias früherer Präsident : Taylors blutige Karriere

  • -Aktualisiert am

CIA führte Taylor als Informanten

Der Aufstieg Taylors zu einem der umstrittensten Staatschefs des afrikanischen Kontinents begann nach dem Putsch des Unteroffiziers Samuel Doe gegen den Präsidenten William Tolbert im Jahr 1980. Taylor, der einer amerikanisch-liberianischen Familie entstammt und in den Vereinigten Staaten gerade sein Studium beendet hatte, kehrte nach Monrovia zurück und wurde unter Doe Chef der „General Service Agency“, einer Art Verwaltungszentrale, in der er nahezu das gesamte Budget des Staates kontrollierte. Die anfängliche Harmonie mit Doe endete, als dieser Taylor beschuldigte, eine Million Dollar veruntreut zu haben. Taylor floh in die Vereinigten Staaten, wurde dort in Auslieferungshaft genommen, konnte aber auf wundersame Weise wieder entkommen. Heute weiß man, wie er das schaffen konnte: Der amerikanische Geheimdienst CIA hat vor kurzem zugegeben, Taylor als Informanten geführt zu haben.

Charles Taylor 1997 in der liberianischen Hauptstadt Monrovia

Der unfähige Putschpräsident Doe war damals längst zu einem Problem insbesondere für die Amerikaner geworden. Die Vereinigten Staaten unterhielten in Monrovia das Hauptquartier des Geheimdienstes CIA für Afrika, und die Botschaft dort diente als Relaisstation für den Funkverkehr zwischen Washington und den amerikanischen Botschaften auf dem Kontinent. Der Flughafen von Monrovia war als Ausweichlandeplatz für die amerikanischen Space Shuttles vorgesehen und der heimliche Herrscher im Land war der amerikanische Reifenhersteller Firestone, der riesige Kautschukplantagen betrieb.

Nach seiner Flucht aus einem amerikanischen Bundesgefängnis tauchte Taylor Ende der achtziger Jahre in Libyen und anschließend in Burkina Faso wieder auf. Dort war gerade der Putschoffizier und Hoffnungsträger Thomas Sankara ermordet und von Blaise Compaoré als Präsident beerbt worden. Mit Compaoré verband Taylor die Neigung zu hochriskanter Außenpolitik, und weil der damalige Präsident der Elfenbeinküste, Félix Houphouët-Boigny, eine Rechnung mit Liberias Präsident Doe offen hatte, war Taylor der Mann der Stunde. Doe hatte nämlich bei seinem Putsch 1980 nicht nur Staatspräsident Tolbert ermorden lassen, sondern auch dessen Sohn. Der wiederum war mit einer Patentochter von Houphouët-Boigny verheiratet, und das „Krokodil“, wie der ivorische Staatsgründer genannt wurde, sann auf Rache.

Taylor erhielt Geld und Waffen, durchquerte mit seinen Rebellen die Elfenbeinküste und brach 1989 einen Bürgerkrieg in Liberia vom Zaun. Er war nicht alleine. Es gab zu diesem Zeitpunkt eine ganze Reihe von Rebellenbewegungen in Liberia, und Taylors namhaftester Rivale um die Macht war „Prince“ Johnson, Doe 1990 gefangen nahm und ihn vor laufender Kamera regelrecht in Stücke schnitt. Das Video dieser Ermordung war in Monrovia lange Zeit ein Verkaufsschlager.

Während des auf Does Tod folgenden sieben Jahre dauernden Bürgerkrieges verloren fast zehn Prozent der liberianischen Bevölkerung ihr Leben. 1997 einigten sich die Konfliktparteien schließlich auf einen Friedensvertrag, auf die Entwaffnung der Rebellen und auf freie Wahlen. Taylor, der zu diesem Zeitpunkt der militärisch stärkste der diversen Kriegsfürsten war, gewann mit 75 Prozent der Stimmen vor Ellen Johnson-Sirleaf. Auch wenn die Wahlen nach einhelliger Meinung mehr oder weniger fair verlaufen waren, so war das Votum für Taylor aus schlichter Angst gespeist: Taylor hatte im Wahlkampf klargemacht, dass der Krieg weitergehe, wenn er nicht gewählt werde.

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