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Libanons Präsident : Ein Mann großer Worte

Libanons Präsident Michel Aoun bei einem Auftritt zum Tag der Armee am 1. August, wenige Tage vor der Explosion von Beirut Bild: dpa

Mit Michel Aoun haben die Libanesen einst große Hoffnungen verbunden. Dann wurde er selbst Teil des korrupten Systems, das das Land in die Katastrophe geführt hat.

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          Michel Aoun war wieder ganz der General. Schon kurz nach der Explosion in Beirut am Dienstagabend rief der libanesische Präsident den Hohen Verteidigungsrat ein, und dieser empfahl, dass die Armee, als deren Generalstabschef Aoun in den letzten Jahren des Bürgerkriegs gegen die syrischen Besatzer gekämpft hatte, die Verantwortung für die Sicherheit Beiruts übernehmen solle. Zuvor hatte Aoun das Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung zu sich bestellt. Es beschloss einen Ausnahmezustand von 14 Tagen. Danach erklärte der 85 Jahre alte Präsident über Twitter, er werde nicht ruhen, bis er den Verantwortlichen für das Unglück kenne und ihm die härteste Strafe gegeben habe.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Große Worte sind die Libanesen von ihrem Staatsoberhaupt gewöhnt. Als er 2005 nach langer Abwesenheit aus dem französischen Exil zurückkehrte und ihn viele seiner Anhänger mit Charles de Gaulle verglichen, kündigte er an, einen neuen Libanon zu schaffen. Er versprach, die Korruption auszumerzen, das Land zu sanieren und das System abzuschaffen, nach dem die Religionsgemeinschaften Gruppen nach einem festgelegen Schlüssel den Libanon unter sich aufteilen. Zudem wollte der Spross einer armen Familie aus dem Süden Beiruts die feudalistische Politik der großen Politikerdynastien beenden. Das waren große Ziele, weshalb ihn seine Kritiker als „Napoleaoun“ verspotteten.

          Im Oktober 2016 erreichte er schließlich sein großes Ziel. Nach einer Vakanz von 29 Monaten, in denen sich das Parlament nicht auf einen Nachfolger von Michel Sulaiman einigen konnte, wurde er zum Präsidenten des Landes gewählt. Von seinen hehren Plänen hat er keines verwirklicht.

          Er hat sich im Gegenteil das dysfunktionale System selbst zu eigen gemacht und eine Dynastie gegründet, die sich an der Ausbeutung des Landes beteiligt. Der Vater dreier Töchter machte seinen Schwiegersohn Gebran Bassil zum Vorsitzenden seiner Partei, der Freien Patriotischen Bewegung. Von 2008 bis Anfang 2020 gehörte Bassil dem libanesischen Kabinett an und war unter anderem für die Ministerien Telekommunikation sowie Energie und Wasser verantwortlich, die für Korruption besonders anfällig sind.

          So konsequent er während des Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 dauerte, als General die syrischen Besatzer bekämpfte, so chamäleonhaft zeigte er sich in seiner Karriere als Politiker. Zur Überraschung seiner Anhänger söhnte er sich mit Syrien aus, und als erster christlicher Politiker ging er eine Allianz mit der Hizbullah ein. Er erklärte das damit, dass die Schiiten für die Christen des Libanon die beste Sicherheit gegenüber extremistischen Sunniten seien. In Wirklichkeit aber brauchte er einen starken Verbündeten, der ihm zur Wahl zum Präsidenten verhelfen würde. Nach der Explosion vom Dienstag bietet sich Aoun eine letzte Gelegenheit, doch noch ein Versprechen wahr zu machen.

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