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Libanon-Sondertribunal : Details des Hariri-Mordes enthüllt

  • -Aktualisiert am

Bilder des ermordeten Ministerpräsidenten Rafiq al Hariri auf dessen Grabstätte in Beirut Bild: REUTERS

Das UN-Sondertribunal für den Libanon hat Hizbullah-Funktionäre des Mordes an Rafiq Hariri bezichtigt. Die vier Tatverdächtigen sollen das Attentat über Monate geplant haben - und in Iran dafür trainiert haben.

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          Das Sondertribunal für den Libanon (STL) hat am Mittwoch die Anklageschrift gegen vier Hizbullah-Funktionäre veröffentlicht. Dem Militärchef der Schiitenmiliz, Mustafa Badr al Din, wirft das Gericht im Haag vor, der Rädelsführer des Mordes an Rafiq al Hariri im Februar 2005 zu sein. Salim Ayyash soll das Attentat koordiniert haben, dem neben Libanons früherem Ministerpräsidenten 21 weitere Menschen zum Opfer fielen. Hussein Oneissi und Assad Sabra gelten der Anklagebehörde zufolge als Komplizen Ayyashs und Bard al Dins, die sich wegen vorsätzlichen Mordes, versuchten vorsätzlichen Mordes und Ausübung einer terroristischen Tat verantworten müssen.

          Chefankläger Daniel Bellemare begrüßte am Mittwoch die Entscheidung des Gerichts, die Anklageschrift öffentlich zu machen. Bereits im Juni hatte das Tribunal der libanesischen Justiz die 47 Seiten lange Schrift übergeben, auf eine Veröffentlichung der Namen der Angeklagten jedoch verzichtet, um die Ermittlungsbemühungen nicht zu erschweren. Im Juli veröffentlichte sie Fotos und Lebensläufe der vier zwischen 1961 und 1976 im Libanon geborenen Verdächtigen. Eine Frist an die libanesischen Behörden, die Gesuchten auszuliefern, verstrich vergangene Woche. Hizbullah-Generalsekretär Nasrallah betrachtet das Tribunal als illegitim und lehnt eine Zusammenarbeit mit der UN-Institution ab. Dem STL-Statut zufolge kann das Gericht Verfahren auch in Abwesenheit der Angeklagten führen.

          Bisher unbekannte Details des Tathergangs

          Drei Jahre nach der Einrichtung des Tribunals in Haag führt die Anklageschrift Details des Tathergangs auf, die die unmittelbar nach dem Attentat am Valentinstag 2005 geschaffene UN-Kommission zur Aufklärung des Falles (Uniiic) in ihren zehn Berichten nicht veröffentlicht hatte. Darin konnten etwa die Tatverdächtigen nicht namentlich identifiziert werden. Geschildert wird zudem, wie Konvois Hariris schon in den Wochen vor dem Anschlag an Beiruts Uferpromenade Corniche intensiv beobachtet wurden. Oneissi und Sabra werden darüber hinaus bezichtigt, libanesische Medien in Telefonaten unmittelbar nach dem Anschlag über die mutmaßlichen Hintermänner des von einem Selbstmordattentäter ausgeführten Anschlags informiert zu haben - eine Gruppe „Sieg und Dschihad in Großsyrien“ sei demnach dafür verantwortlich.

          Eine Analyse der Telefonverbindungen der vier Anklagten führte die Ermittler auf vier Netzwerke, von denen das von Badr al Din geführte „grüne“ in der Anklageschrift als „Kontrollnetzwerk“, das von Ayyash geführte „rote“ als „Anschlagsnetzwerk“ bezeichnet wird. Beide sollen die Planung des Anschlags seit Herbst 2005 mit bis zu acht Telefonen betrieben haben. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte auch Iran mit Konsequenzen aus Haag rechnen. Badr al Din, der nach der Ermordung seines Schwagers Imad Mughnijeh im Februar 2008 in Damaskus die militärische Führung der Hizbullah übernahm, unterhält enge Verbindungen zum Al Quds-Flügel der iranischen Revolutionwächter Pasdaran. Die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet in seiner jüngsten Ausgabe, dass die vier Tatverdächtigen 2004 im Khomeini-Traingscamp der Organisation bei Qom auf das Attentat vorbereit wurden.

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