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Macron im Libanon : Er will Schrittmacher sein, nicht Zuchtmeister

Die libanesischen Politiker, die zuletzt verschnupft auf die scharfen Töne und Forderungen aus Paris reagiert hatten, zeigten dieses Mal allerlei Gesten des guten Willens und machten ambitionierte Ankündigungen. Rechtzeitig zum Besuch des französischen Präsidenten hatte das Parlament in Beirut Mustapha Adib zum designierten Ministerpräsidenten bestimmt, der wiederum umgehend versprach, in Rekordzeit eine Regierungsmannschaft aufzustellen und fortan Taten statt Worte sprechen zu lassen. Die Nominierung des früheren libanesischen Botschafters in Deutschland bezeichnete Macron, noch aus Frankreich, als „ersten Eckpfeiler einer neuen Etappe“. Die Adib-Regierung, müsse eine „Regierung mit einer Mission“ sein.

Der libanesische Präsident Michel Aoun, der Macron am Dienstag zum Mittagessen empfing, rief den ersten September schon zu einen Tag aus, der einen Neubeginn markiere. Der libanesische Sender MTV zitierte aus der Rede, die das libanesische Staatsoberhaupt zu Ehren seines „lieben Freundes“ aus Frankreich hielt, in der Aoun die notwendigen Reformen versprach und einen „modernen Staat“, in dem der Bürger König sei.

Der „Nationale Dialog“ aller libanesischen Kräfte, den Aoun ankündigte, weckte allerdings umgehend Erinnerungen an das altbekannte lähmende Schachern der politischen Führer, in dem es um die Sicherung der eigenen Pfründe geht. Von westlichen Diplomaten hieß es denn auch, es sei das eine, solche Dinge zu versprechen. Aber das müsse nicht heißen, dass wirklich etwas geschehe, wenn der französische Präsident wieder abgereist sei.

„Herr Präsident, seien Sie nicht dumm!“

Dass viele Libanesen nicht einmal das Gefühl haben, Bürger zu sein, und dass sie den Versprechen der politischen Klasse nicht glauben, zeigte sich an den Protesten im Zentrum von Beirut und den Zusammenstößen in der Gegend um das Parlament, über der am frühen Abend wieder Schwaden von Tränengas lagen. Oder an Transparenten wie jenem, das eine klare Botschaft an Macron aussandte: „Herr Präsident, seien Sie nicht dumm!“

Im Zentrum von Beirut gab es Proteste und Krawalle. Auch die Adib-Nominierung stieß in der Bevölkerung nicht auf überbordende Zustimmung. Als Macron am Montagabend die berühmte libanesische Sängerin Fairouz besuchte, riefen einige „Nein zu Adib!“ Andere wiesen eine Regierung, die unter der Regie von „Mördern“ gebildet worden sei, zurück. Viele Libanesen geben der politischen Klasse die Schuld an der Katastrophe im Hafen, wo mehr als 2000 Tonnen explosiven Ammoniumnitrats trotz eindringlicher Warnungen über Jahre in einer ungesicherten Halle herumlagen.

Auch Aoun war von einem Sicherheitsdienst gewarnt worden. „Er wusste es“ stand auf einem riesigen Transparent, das Aktivisten vor dem Macron-Besuch aufhängten.      

Zwei Mal innerhalb von vier Wochen hat Emmanuel Macron den Libanon jetzt besucht. Gegenüber der Nachrichtenseite sprach Macron von einer „riskanten Wette“, die er im Libanon eingehe. „Ich lege alles, was ich habe auf den Tisch: mein politisches Kapital.“  Spätestens im Dezember will er wieder nach Beirut fahren.

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