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Libanon : Hizbullah und die „radikale Achse“

Kämpfer des Islamischen Dschihad in Gaza-Stadt Bild: dpa

Die Hizbullah-Miliz sucht ihren Weg zwischen dem Aufstand in Syrien und der iranisch- israelischen Konfrontation.

          5 Min.

          Am Dienstagmorgen sind die Luftschutzsirenen im Süden Israels vorläufig verstummt. Tagelang waren die Menschen im Süden Israels wegen der Raketenangriffe aus Gaza kaum aus den Schutzräumen herausgekommen. Sie durchlitten, was anderen Teilen des Landes einschließlich der Großstadt Tel Aviv als Vergeltung drohen könnte, sollte Israel die iranischen Atomanlagen angreifen. „Ohne Iran hätten diese Extremisten keine Waffen, keine Ausbildung und keine logistische Unterstützung“, sagt Ministerpräsident Netanjahu über die Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“, die die meisten Raketen abfeuert und dem Regime in Teheran treu ergeben ist.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Noch besser ist die mit Iran verbündete libanesische Hizbullah-Miliz für einen neuen Krieg gerüstet. „Hizbullahstan“ verfüge mittlerweile über mehr als 45.000 Raketen, kalkuliert Amos Gilad, der Chef der politischen Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums, und meint damit die libanesischen Gebiete unter der Kontrolle der Miliz. Nach Einschätzung israelischer Sicherheitskreise hat sie ihr Arsenal seit dem Krieg im Jahr 2006 verdreifacht. Sollte Israel Iran angreifen, dürften diese Waffen zum Einsatz kommen.

          Terroristen bereiten sich auf Zeit nach Assad vor

          Über Syrien erhielt die Hizbullah bisher in großem Umfang Waffen und andere Unterstützung aus Iran. Im Grenzgebiet des Nachbarlands unterhalten die Kämpfer zudem größere Waffendepots. Im Unterschied zur Hamas-Organisation, die sich mittlerweile fast ganz aus Syrien zurückgezogen hat, hält die libanesische Miliz weiter zum bedrängten Präsidenten Assad. Aber auch die radikalen Schiiten aus dem Libanon haben offenbar damit begonnen, sich auf die Zeit nach dem Sturz des Regimes in Damaskus vorzubereiten.

          Schon seit einiger Zeit kann sich die Hizbullah auf den Nachschub aus Iran nicht mehr wie bisher verlassen: Früher habe sich der jährliche Zuschuss für die libanesische Miliz aus Teheran auf 200 bis 300 Millionen Dollar belaufen, berichten israelische Sicherheitskreise. Wegen der internationalen Sanktionen gegen Iran gehe seit etwa einem Jahr dieser Zufluss zurück. Das bekam auch schon die Hamas-Organisation in Gaza zu spüren. Umso wichtiger ist es für die Hizbullah, ihre eigenen Finanzquellen zu erhalten und neue zu erschließen. Aber hier stößt die Miliz auf neue Schwierigkeiten.

          Geldwäschevorwürfe aus Amerika

          Ein amerikanisches Bundesgericht eröffnete Ende vergangenen Jahres ein Verfahren gegen mehrere libanesische Finanzinstitute. Ihnen wird vorgeworfen, Einnahmen aus dem Rauschgiftgeschäft zu waschen und damit die Hizbullah zu unterstützen. Die libanesische Miliz steht in den Vereinigten Staaten auf der Liste der Terrororganisationen. Drei libanesische Banken sind im Visier der amerikanischen Behörden, darunter die Libanesisch-Kanadische Bank, sowie 30 Autohändler. Konkret wird ihnen vorgehalten, Gelder, die unter anderem aus dem Kokainhandel in Lateinamerika stammen, auf Konten zu leiten, über die der globale Autohandel abgewickelt wird.

          Der jüngste Vorstoß ist ein neuer Versuch Washingtons, die Finanzquellen der Hizbullah trockenzulegen. Gelänge es jetzt, das Finanzsystem der Miliz auszuschalten, könnte sie nach Ansicht westlicher Geheimdienste empfindlich getroffen werden. Dabei aber müsste auch die Europäische Union mitmachen. Die EU hat die Organisation bislang nicht als Terrororganisation eingestuft, ein Anlauf dazu scheiterte vor Jahren am Widerstand Frankreichs. Israel und die Vereinigten Staaten dringen nun darauf, dass die EU strafrechtlich gegen Finanzinstitute und Geschäftsleute vorgeht, die Europa als Drehscheibe für ihre kriminelle Tätigkeit zur Finanzierung der Hizbullah nutzen.

          Einfluss auf libanesische Banken wächst

          Die Miliz sah sich schon genötigt, auf die Ermittlungen in Amerika zu reagieren. Der Vorwurf, seine Organisation sei in den internationalen Rauschgifthandel verwickelt, sei politisch motivierte Propaganda, sagte Ali Fayyad, der Chefstratege des Hizbullah-Generalsekretärs Hassan Nasrallah. Es gebe keinerlei Verbindung zur Libanesisch-Kanadischen Bank, die inzwischen aus dem Handelsregister gelöscht wurde. Washington verfolge „unschuldige schiitische Geschäftsleute“.

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