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Vier Tage nach Explosion : Dutzende Opfer in Beirut noch vermisst

  • Aktualisiert am

Trauerzug am Samstag in Beirut: Die Umstehenden trauern um einen Politiker, der bei der Explosion am Dienstag ums Leben kam. Bild: AP

Die deutschen Einsatzkräfte sind schockiert vom Ausmaß der Zerstörung. Am Samstag werden Opfer der Katastrophe zu Grabe getragen – Aktivisten rufen derweil zum Protest auf.

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          Vier Tage nach der Explosionskatastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut werden noch immer etwa 45 Menschen vermisst. Zudem seien 25 Leichen geborgen worden, deren Identität unklar sei, sagte am Samstag ein Sprecher des libanesischen Gesundheitsministeriums. Die Bergungsarbeiten gingen unterdessen weiter. Dabei sind auch Teams aus Deutschland im Einsatz.

          Am Samstag sollen Opfer der Katastrophe begraben werden. Aktivisten haben zudem zu einer Trauer- und Protestkundgebung im Zentrum Beiruts aufgerufen. Das Motto lautet „Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an der Regierung“. Aktivisten werfen der politischen Führung des Libanon Fahrlässigkeit vor und machen sie für die Explosion verantwortlich.

          In Beirut wird am Samstag auch EU-Ratspräsident Charles Michel erwartet. Dort will er mit Präsident Michel Aoun, Regierungschef Hassan Diab und Parlamentspräsident Nabih Berri zusammentreffen. Am Donnerstag hatte der französische Präsident die libanesische Hauptstadt besucht.

          Geberkonferenz am Sonntag

          Am Sonntag soll eine von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigte internationale Konferenz zur Hilfe für den Libanon stattfinden. Die Videokonferenz werde um 14 Uhr beginnen, es gehe um die Hilfe für die von Explosionskatastrophe in Beirut schwer getroffene Bevölkerung, hieß es am Samstag aus Kreisen des französischen Präsidialamts. Die Videokonferenz werde von den Vereinten Nationen (UN) mitorganisiert, hieß es weiter. Auch der deutsche Außenminister werde daran teilnehmen, hieß es aus Regierungskreisen.

          Bei der von Macron initiierten Videokonferenz sollen Spenden für die humanitäre Nothilfe im Libanon gesammelt werden. Für die EU, die dem Libanon bereits 33 Millionen Euro Soforthilfe zugesichert hat, werden Ratspräsident Michel und der Kommissar für humanitäre Hilfe, Janez Lenarcic, teilnehmen.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme an der Konferenz bereits am Freitag zugesagt. „Alle wollen helfen“, schrieb Trump nach einem Telefonat mit Macron auf Twitter. In einem Telefonat mit seinem libanesischen Kollegen Michel Aoun hatte Trump am Freitag seine Anteilnahme bekundet. Er sicherte Aoun die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu. Drei Flugzeuge mit Hilfsgütern an Bord sowie medizinischem Personal und weiteren Einsatzkräfte seien bereits auf dem Weg in schwer gebeutelte Land.

          Suche nach den Ursachen der Explosion

          Zudem haben die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben angeboten, bei der Untersuchung zu der verheerenden Explosion in Beirut zu helfen. Allerdings gebe es bisher keine offizielle Anfrage der libanesischen Regierung, sagte ein Sprecher am Freitag.

          Eine Frau sitzt zwei Tage nach den Explosionen im Hafen von Beirut in ihrer zerstörten Wohnung. Die Wucht der Detonationen ließ Fenster bersten und drückte Türen aus den Angeln. Bilderstrecke
          Beirut nach der Katastrophe : Ihr Zuhause liegt in Trümmern

          Rund 50 prominente Vertreter der libanesischen Zivilgesellschaft und Aktivistengruppen haben UN-Generalsekretär António Guterres in einem Brief ersucht, den Sicherheitsrat um eine Schaffung einer internationalen Kommission zu bitten. Diese solle den Ursachen der Katastrophe vom Dienstag nachgehen. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol unterstützt die örtlichen Behörden, hieß es am Freitagabend.

          In dem Schreiben der Aktivisten wird der Sicherheitsrat überdies aufgerufen, ein Gremium und einen Treuhandfonds einzurichten, mit dem ein detailliertes Gutachten der Schäden durch die Explosion erstellt, Opfern geholfen und der Wiederaufbau betreut werden soll. Die UN seien bereit, die Bitte zu prüfen – „so die libanesischen Behörden dies denn wünschten“, betonte ein Sprecher.

          Hilfslieferungen aus aller Welt

          Am Freitag waren Hilfslieferungen aus Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Beirut eingetroffen. Zuvor waren bereits Flugzeuge aus Frankreich, Kuweit, Qatar und Russland in der libanesischen Hauptstadt gelandet. Deutschland ist unter anderem mit Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr vor Ort. Die deutschen Einsatzkräfte des THW zeigten sich schockiert vom Ausmaß der Zerstörung.

          Bei der Explosion am Dienstag sind mehr als 150 Menschen getötet worden, rund 5000 wurden verletzt. Große Teile des Beiruter Hafens sind vollständig zerstört und auch die umliegenden Wohngebiete stark beschädigt, bis zu 250.000 Menschen sind obdachlos. Die Explosion soll durch eine große Menge der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden war.

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