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+++ Bagdad Briefing +++ : Libanesische Brandherde

  • -Aktualisiert am

Im Oktober nahmen die Dschihadisten der Nusra-Front 27 libanesische Soldaten gefangen, das führte auch in Beirut zu Protesten von deren Angehörigen Bild: Reuters

Neben Tripolis im Norden des Landes ist Arsal die zweite Lunte am Pulverfass Libanon. Nun droht das konfessionell gespaltete Land vollends ins Feuer des syrischen Konflikts zu geraten.

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          Das Feuer im Hinterhof der zivilen Verteidigungskräfte Beirut war schnell gelöscht. Unter Anleitung zweier deutscher Feuerwehrmänner gelang es einem halben Dutzend Männern aus dem libanesisch-syrischen Grenzort Arsal, den Brand rasch einzudämmen. Der war ohnehin nur zur Übung gelegt: Die Übergabe eines Feuerwehrwagens aus Deutschland verband die Organisation Orienthelfer des Münchner Kabarettisten Christian Springer mit dem zwei Tage währenden Training.

          Das können die Bewohner Arsals gut gebrauchen, denn spätestens seit August sind die Brände dort kaum noch zu löschen. Der Ort mit einst 30.000 Einwohnern ist seit Beginn des Syrien-Krieges auf mehr als die doppelte Anzahl gewachsen. Nicht nur Zivilisten bietet die Gemeinde in den Höhenzügen östlich der Bekaa-Ebene Unterschlupf, auch Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) haben sich hierhin immer wieder vor den Einheiten Präsident Baschar al Assads zurückgezogen. Die libanesische Hizbullah kämpft seit bald zwei Jahren Seite an Seite mit den syrischen Regierungstruppen.

          Die Armee zeigt Härte

          Neben Tripolis im Norden des Landes ist Arsal die zweite Lunte am Pulverfass Libanon, durch die der konfessionell gespaltete Mittelmeeranrainer vollends ins Feuer des Konflikts im Nachbarland geraten könnte. Im Oktober nahmen die Dschihadisten der Nusra-Front hier 27 libanesische Soldaten gefangen, die sie nun im Austausch gegen islamistische Häftlinge zurückfordern. Doch die Verhandlungen stocken – und die Armee nutzt den Geisel-Deal, um Härte zu zeigen.

          Alles dreht sich deshalb um die Frage, ob es den geschwächten sunnitischen Kriegern gelingt, den Winter über in den Bergen auszuharren und möglicherweise eine neue Offensive zu starten. Schließlich ist Arsal das Nadelöhr, durch das die bewaffneten Assad-Gegner im Qalamun-Gebirge ihren Nachschub erhalten. Mit ihrer Strategie, den Kampf um Arsal zur Entscheidungsschlacht zu stilisieren, ist es den Dschihadisten bereits gelungen, neue Gefolgsleute an sich zu binden: Von rund vierzig im Sommer auf mehr als 500 Kämpfer soll der „Islamische Staat“ im libanesisch-syrischen Grenzgebiet seitdem gewachsen sein, heißt es in westlichen Sicherheitskreisen in Beirut.

          Den Kampf um Arsal bis zum bitteren Ende führen wollen die sunnitischen Milizen aber noch aus einem anderen Grund: Sollte es ihnen gelingen, der schiitische Hizbullah Generalsekretär Hassan Nasrallahs in ihrem Stammland eine Niederlage zuzufügen, käme diese selbst in Bedrängnis.

          Nasrallah hat seit Beginn der Militarisierung des Konflikts alles auf die Karte Assad gesetzt – ohne Plan B im Falle eines Sturzes des Diktators. Der liegt zu Beginn zu Beginn des vierten Kriegswinters zwar in weiter Ferne. Aber die vielen in Syrien gefallenen Hizbullah-Kämpfer erhöhen bereits heute den Druck auf die Parteispitze, neue Optionen zu erschließen. Auch deshalb hat sich die „Partei Gottes“ in Arsal geschlossen auf die Seite der libanesischen Armee gestellt.

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