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Libanon : Die Revolution ist nicht vollendet

  • -Aktualisiert am

Nayla Tueni Bild:

Fünf Jahre nach dem Mord an ihrem Vater tritt die Verlegerin Nayla Tueni weiter für einen freien Libanon ein. Die arabischen Revolutionäre warnt sie vor einem Scheitern.

          Nayla Tueni klingt erleichtert. „Zurzeit ist das Parlament geschlossen“, sagt die junge Journalistin, die im Sommer 2009 als Abgeordnete in die libanesische Volksvertretung einzog. Weil es dem designierten Ministerpräsidenten Nadschib Mikati bislang nicht gelang, ein Kabinett zusammenzustellen, liegt die parlamentarische Arbeit brach. Ganz unrecht scheint das Nayla Tueni nicht zu sein, denn so kann sie sich ganz auf ihre Arbeit als stellvertretende Generalmanagerin der Zeitung „An Nahar„ (Der Tag) konzentrieren. Den Job trat sie 2007 an, knapp zwei Jahre nach dem Mord an ihrem Vater Gebran Tueni. Der hatte das Blatt zu einem meinungsstarken Organ gegen die syrische Protektoratsmacht geformt - im Dezember 2005 zahlte er für diese Haltung mit dem Leben. Ein halbes Jahr zuvor war der beliebte „An Nahar“-Kommentator Samir Kassir bei einem Autobombenanschlag ums Leben gekommen.

          Die Attentate auf die jungen Publizisten bildeten den Anfang vom Ende der „Zedernrevolution“, die am Valentinstag 2005 mit der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafiq Hariri begonnen hatte. Es war eine „unvollendete Revolution“, wie Nayla Tueni heute sagt: „Was wir erreicht haben, ist der Abzug der Syrer.“ Doch angesichts der anhaltenden Verschmelzung von Religion und Politik im Land habe sich die Situation sechs Jahre nach dem „Beiruter Frühling“ kaum verbessert. „Das bestehende System bedeutet, dass ich nur meine Konfession repräsentiere“, klagt die säkulare orthodoxe Christin. „Lieber wäre es mir, mein Land zu vertreten.“

          „Die Geschicke in eigenen Hände nehmen“

          Das aber ist in der quasifeudalen Clanherrschaft der Zedernrepublik trotz weiterreichender bürgerlicher Freiheiten als in anderen arabischen Staaten nicht möglich. Weil es nur die religiös geschlossene, aber keine Zivilehe gibt, musste sie zum Heiraten nach Zypern fahren. Der Nationale Pakt von 1943, noch verabschiedet in der französischen Mandatszeit, hat zudem die konfessionelle Dreiteilung des Landes festgeschrieben. Demnach steht dem Parlament ein Schiit vor, den Staatspräsidenten stellen stets die maronitischen Christen, den Ministerpräsidenten die Sunniten. Das Parlament setzt sich zusammen aus 64 muslimischen und 64 christlichen Abgeordneten - eine davon ist Nayla Tueni, eine von nur vier Frauen. Entsprechend erfreut ist sie über die Rolle, die ihre Geschlechtsgenossinnen bei den Aufständen in Ägypten und Tunesien spielten. „Es ist wichtig, dass sie ihre Geschicke nun in eigene Hände nehmen“, sagt die während der israelischen Belagerung Beiruts 1982 geborene Zeitungserbin. „Das gilt aber nicht nur für die Frauen, sondern für die Jugend insgesamt.“

          Im Namen des Vaters: Tuenis Großvater Ghassan mit einem Foto Gebrans, dem 2006 ermordeten Vater Naylas

          Unmittelbar nach Beginn der arabischen Revolten knüpfte ihr Team Kontakte zu tunesischen und ägyptischen Bloggern, um „An Nahar“ um junge Stimmen zu bereichern. Gerade erst hat sich das 1933 von ihrem Urgroßvater Gebran Tueni gegründete Blatt mit neuer Schrift und neuen Rubriken einem Relaunch unterzogen. In ein paar Wochen soll auch der Webauftritt in neuem Glanz erscheinen. „Man kann dem Leser heute nicht mehr nur das verkaufen, was gestern passiert ist“, beschreibt die in einem der großen griechisch-orthodoxen Familienclans Beiruts aufgewachsene Nayla Tueni ihre Philosophie. „Was er will, ist vielmehr Analyse und Meinung, sind Berichte, die ihn zum Denken anregen und der Frage nach dem Warum aktueller Ereignisse auf den Grund gehen.“ Dazu sei das Internet unentbehrlich: „Ohne multimediale Darstellungsformen kommen moderne Medien heute nicht mehr aus; Soundtracks, Videos und interaktive Grafiken sind unverzichtbar geworden.“

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