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LGTB-Prozess in Polen : Madonna mit Regenbogen

  • -Aktualisiert am

Aktivistin Elzbieta Podlesna vergangene Woche in Plock in Zentralpolen Bild: AP

In Polen steht die Aktivistin Elzbieta Podlesna vor Gericht. Sie soll religiöse Gefühle verletzt haben: Auf Plakaten hatte sie den goldenen Heiligenschein durch die Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung ersetzt.

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          Vor einiger Zeit setzte der polnische Innenminister Joachim Brudzinski einen Tweet ab, in dem er über die Festnahme einer Frau informierte. Inzwischen ist die Aktivistin Elzbieta Podlesna landesweit bekannt; der Prozess gegen sie und zwei weitere Frauen hat in der vergangenen Woche begonnen. Sie hatten etwas getan, was der Minister als „Entweihung“ eines Marienbilds bezeichnete.

          Die Tat fiel in die Osterzeit 2019. Am Karfreitag werden viele polnische Kirchen traditionell zur Bühne für künstlerische Installationen rund um das Grab Christi, in denen oft auch gesellschaftliche Streitthemen thematisiert werden. So war in einer Kirche in Plock bei Warschau neben dem Grab ein „Sündenregister“ zu lesen, das neben Hass und Egoismus auch „Gender“ und „LGBT“ umfasste.

          Podlesna und zwei Mitstreiterinnen reagierten darauf, indem sie Plakate druckten. Dafür nahmen sie die Ikone der Schwarzen Madonna von Tschenstochau, das bekannteste Marienbild Polens, und ersetzten die goldenen Heiligenscheine durch die Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung. Nicht mehr. Dieses verfremdete Bild von Maria mit Jesuskind klebten die Frauen in Plock. Sollte das Gericht darin eine „Beleidigung der religiösen Gefühle“ erblicken, droht eine Strafe, die von einer Geldbuße bis zu zwei Jahren Gefängnis reichen kann.

          Am Mittwoch zur Prozesseröffnung ging es zunächst darum, ob die Regenbogen-Madonna tatsächlich Gefühle verletzt hat. Eine 67 Jahre alte Katholikin sagte aus, sie sei beim Anblick des Plakats „schockiert“ gewesen. Allerdings fühlte sie sich „persönlich nicht verletzt“ – anders als der ebenfalls geladene Pfarrer an der betroffenen Maximilian-Kolbe-Kirche. Der Geistliche sah seine Gefühle „schwer verletzt“, zumal Geschlechtsverkehr zwischen Männern eine „Störung und Entartung“ sei.

          Der Staat hat religiöse Gefühle zu schützen

          Auch die obersten Hierarchen der katholischen Kirche Polens äußerten sich. Einerseits, hieß es da, seien Homosexuelle „unsere Brüder und Schwestern“. Der Respekt dürfe jedoch andererseits nicht zur „Akzeptanz einer Ideologie“ führen, welche die sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen revolutionieren wolle. In einem ähnlichen Fall in Warschau, als an einer Christusfigur eine Regenbogenfahne angebracht worden war, hat das Gericht das Verfahren in dieser Woche eingestellt, weil die Urheber nicht auffindbar seien.

          Das ist in Plock anders. Zu diesem Thema ließ der Innenminister verlauten, Juden und Muslime dürfe man nicht beleidigen, das müsse auch für Katholiken gelten. Hier könnte man ihm recht geben: Der Staat hat religiöse Gefühle zu schützen. Auch das deutsche Strafgesetzbuch sieht das vor (und nennt als höchste Strafe sogar drei Jahre Freiheitsentzug). Allerdings sanktioniert Paragraph 166 StGB das „Beschimpfen“ religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse, Vereinigungen und Bräuche nur, sofern sie geeignet sind, „den öffentlichen Frieden zu stören“.

          Wie immer der Prozess ausgeht: Es ist eine Tragödie für Polen, dass die katholische Kirche, noch vor dreißig Jahren die wichtigste überparteiliche Autorität im Land, sich derart in gesellschaftliche Konflikte verstrickt hat, dass sie sich selbst sehr angreifbar gemacht hat. Vielleicht sollten die Kirchenführer – und ebenso die Politiker der Regierungspartei PiS – über eine Parole ihrer Kritiker nachdenken, die da lautet: „Der Regenbogen beleidigt niemanden.“

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

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