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Russischsprachige in Lettland : Sympathien für Russland, aber nicht für Putin

Vor dem sowjetischen Siegesdenkmal in Riga wurde eine Ausstellung mit Fotografien aus dem Krieg in der Ukraine aufgestellt (Aufnahme vom 6. Mai). Bild: dpa

Etwa 35 Prozent der Bevölkerung in Lettland sind russischsprachig. Wie stehen sie zum Krieg in der Ukraine? Und was halten sie von Putins Russland? Die Ergebnisse einer neuen Umfrage liefern Antworten.

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          Lettland ist das Mitglied von EU und NATO mit dem höchsten Anteil russischsprachiger Einwohner – er beträgt etwa 35 Prozent. Ihre Haltung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine wird in Lettland von einer Mehrheit der lettischsprachigen Bevölkerung misstrauisch betrachtet. Die latent seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1991 immer im Raum stehende Frage, wie loyal sie im Konfliktfall zu Lettland stünden, hat aus Sicht der Mehrheit der Menschen im Land seit Kriegsbeginn eine existenzielle Bedeutung bekommen. Und auch in EU und NATO stellt man sich die Frage, ob diese Bevölkerungsgruppe vom Regime Wladimir Putins instrumentalisiert werden könnten, um Lettland zu destabilisieren.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Dass sich die Meinungen von lettisch- und russischsprachigen Einwohnern stark unterscheiden, haben schon die ersten Umfragen nach Kriegsbeginn gezeigt: Während die Letten zu etwa 90 Prozent auf Seiten der Ukraine stehen, halten sich unter den Russischsprachigen in Lettland Unterstützer Russlands und der Ukraine mit jeweils etwa 20 Prozent die Waage. Die größte Gruppe, zwischen 40 und 50 Prozent, gibt sich neutral. Eine erste Untersuchung, die ein genaueres Bild gibt, wird an diesem Dienstag veröffentlicht. Die vom lettischen Meinungsforschungsinstitut SKDS im Auftrag des Rigaer Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung von Ende April bis Anfang Mai vorgenommene Umfrage mit 2000 Teilnehmern zwischen 18 und 75 Jahren bestätigt zwar die Unterschiede in der Wahrnehmung.

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