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Lesotho : Korruptionssumpf im Himmelreich

  • -Aktualisiert am

Der Neue: Ministerpräsident Thabane grüßt sein Volk Bild: AFP

In Lesotho ist ein politischer Wechsel gelungen. Jetzt ist der Oppositionsführer der neue Regierungschef. Das hoch gelegenen Königreich steckt tief in der Misere.

          Das „Kingdom in the Sky“ - das Königreich im Himmel - hat zum ersten Mal seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1966 einen politischen Wechsel vollbracht. Künftig wird das auf 1800 Meter Höhe gelegene Königreich Lesotho mit seinen 2,1 Millionen Einwohnern von Oppositionsführer Tom Thabane als Ministerpräsident regiert. Der 72 Jahre alte ehemalige Außenminister wurde am Freitag von König König Letsie III. vereidigt.

          Thabane und seine Partei „All Basotho Convention“ (ABC) konnte bei den Wahlen in der vergangenen Woche zwar keine absolute Mehrheit gewinnen und der neue Regierungschef muss mit einer Koalition aus drei Parteien regieren. Aber das ist schon deshalb nebensächlich, weil mit dem Machtwechsel endlich sein Vorgänger Pakalitha Mosisili in der politischen Versenkung verschwindet, der Lesotho seit 1998 regiert und sich dabei vor allem mit hemmungslosem Nepotismus hervorgetan hat.

          Lesotho ist eines von zwei souveränen Königreichen innerhalb Südafrikas. Doch während das andere, Swaziland, wegen seines absolutistischen Herrschers König Mswati III. und dessen Harem häufig für Schlagzeilen sorgt, ist Lesotho mit seiner parlamentarischen Monarchie das vergessene Land in den Bergen. Bekannt ist bestenfalls, dass die südafrikanische Armee 1998 nach Lesotho einmarschierte, als das Land nach dem vermeintlichen Wahlsieg von Pakalitha Mosisili in blutigen Unruhen versank, bei denen auch die halbe Armee meuterte. Doch war diese Militärintervention keineswegs der Sorge um die demokratische Zustände in Lesotho geschuldet,es ging allein das wichtigste Exportgut des Landes: Wasser.

          Von strategischem Interesse

          Lesotho ist im Gegensatz zu Swaziland, das lediglich Zuckerrohr produziert, von strategischem Interesse für Südafrika. Nahezu das gesamte Wasser für das wirtschaftliche Zentrum Südafrikas, die Provinz Gauteng mit der Millionenstadt Johannesburg, stammt aus den Bergen Lesothos und wird über ein aufwendiges Pipelinenetz auf das „Highveld“ genannte Hochplateau von Johannesburg gepumpt. Die Abhängigkeit Südafrikas vom Wasser aus den Nachbarland aber hört nicht dort auf: Das Abwasser von Johannesburg wird aufgefangen, gereinigt und über die Wasserscheide, auf der die Stadt liegt, in Richtung der Platinminen in der trockenen Provinz North-West gepumpt. Ohne das Wasser aus Lesotho wäre der Nordwesten Südafrikas kein Industriegebiet, sondern Buschland.

          Dennoch sieht Lesotho immer noch aus, als sei dort die Zeit stehengeblieben. Drei Viertel der Wohnungen haben keinen Strom, ein Drittel keinen Wasseranschluss, und fast ein Viertel der Erwachsenen ist HIV-positiv. Die Analphabetenrate liegt bei 40 Prozent und die meisten Menschen lsind Selbstversorger. In jüngster Zeit hat sich das Land zwar für chinesische Textilproduzenten geöffnet, die aber nur deshalb in Lesotho produzieren, weil das Lesotho von amerikanischen Exporterleichterungen profitiert. Die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken in Maseru jedenfalls sind regelmäßig Gegenstand wütender Proteste.

          Das größte Potential Lesotho, der Tourismus, bleibt weitgehend ungenutzt. Dabei ist nur schwer zu verstehen, warum zum Beispiel Ökotourismus in den Drakensbergen in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden ist - es aber 35 Kilometer weiter, jenseits des Sani-Passes in Lesotho, nicht einmal ansatzweise Bestrebungen gibt, es den Südafrikanern gleichzutun. Erklären lässt sich das mit der grassierenden Korruption. Lesotho hat sich unter Ministerpräsident Mosisili in eine regelrechte Kleptokratie verwandelt, während die Ordnungsmacht Südafrika nur eine einzige Sache interessiert: Dass der Katse-Staudamm nicht trockenläuft.

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