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Nach dem Brand auf Lesbos : Griechenland wirft Migranten Brandstiftung vor

  • Aktualisiert am

Migranten, die vor dem Feuer fliehen mussten Bild: EPA

Die griechische Regierung beschuldigt Migranten, den Brand im Flüchtlingslager Moria gelegt zu haben – und wählt drastische Worte. Derweil sind Tausende auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

          3 Min.

          Nach Angaben der griechischen Regierung haben Migranten den Großbrand im Camp Moria selbst verursacht. „Das Feuer wurde von Menschen gelegt, die Asyl beantragt haben – als Reaktion auf die wegen des Coronavirus verhängte Quarantäne (in Moria)“, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas am Donnerstag. Es handele sich um Menschen, die „ihr Gastland nicht respektieren“, sagte Petsas. Mit solchen Aktionen jedoch torpedierten diese Menschen jede Lösung. „Wir sagen es ihnen klipp und klar: Sie werden nicht wegen des Feuers die Insel verlassen. Das können sie vergessen.“ Gelungen sei den Brandstiftern lediglich, Tausende Menschen, darunter Familien, obdachlos zu machen, kritisierte Petsas.

          Athen will unterdessen in den nächsten Tagen 19.000 Coronatests auf Lesbos durchführen, teilte der Regierungssprecher weiter mit. Die Angst eines unkontrollierbaren Virusausbruchs ist groß: 35 Migranten sind positiv auf das Virus getestet worden, doch infolge des Großbrandes sind sie nicht mehr alle ausfindig zu machen und könnten Tausende andere Menschen anstecken. Die Polizei habe nur acht von ihnen aufgreifen können, teilte die Regierung mit.

          Widerstand in der lokalen Bevölkerung

          Das griechische Fernsehen (ERT) zeigte am Donnerstag abermals Bilder von Menschen, die am Straßenrand lagen und auf Hilfe warteten. Einige Menschen übernachteten auf einem Friedhof. Humanitäre Organisationen und die Behörden planten am Donnerstag, Essen und Wasser zu den Menschen zu bringen, hieß es.

          Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass verzweifelte Familien, oft mit kleinen Kindern, nach einer zweiten Nacht im Freien über die Insel herumirren. „Man hat uns im Stich gelassen, ohne Essen, Wasser oder Arzneimittel“, sagte etwa eine Syrerin, ihr zweijähriges Kind im Arm.

          Kinder zwischen Schutt und Trümmern
          Kinder zwischen Schutt und Trümmern : Bild: AFP

          Griechenland wollte noch am Donnerstag vorerst Familien und besonders bedürftigen Menschen eine neue Unterkunft beschaffen. Eine Fähre mit Platz für hunderte Menschen wurde zur Insel Lesbos entsandt, wie das Migrationsministerium in Athen mitteilte. Zwei griechische Marine-Schiffe sollen demnach zusätzliche Schlafmöglichkeiten bieten.

          Auch drei Flugzeuge wurden den Angaben zufolge nach Lesbos geschickt, um 406 unbegleitete Minderjährige aufs Festland nach Nordgriechenland zu bringen. Sie wurden zuvor auf das Coronavirus getestet. Die EU hatte zuvor angeboten, diese Unterbringung zu finanzieren. Zudem soll nach Angaben der Regierung in Athen an Sammelpunkten auf Lesbos Essen für die Flüchtlinge ausgegeben werden, zusammen mit Hilfsorganisationen.

          EU-Vize-Kommissionspräsident Margaritis Schinas wurde am Donnerstag auf Lesbos erwartet. Dort war das völlig überfüllte und schon seit Jahren als unmenschlich kritisierte Flüchtlingslager Moria am Dienstagabend durch einen Großbrand in weiten Teilen zerstört worden. Durch ein zweites Feuer am Mittwochabend verbrannte dann der verbleibende Teil des Lagers fast vollständig, wie das Ministerium mitteilte. Ernsthaft verletzt wurde durch die Brände niemand, fast 13.000 Menschen wurden aber obdachlos und mussten auf der Straße oder in Olivenhainen schlafen.

          Überlegungen, übergangsweise neue Zelte auf Lesbos für die Flüchtlinge aufzustellen, stießen auf Widerstand der einheimischen Bevölkerung und der Behörden vor Ort. „Wir haben Schwierigkeiten, Zelte für die Unterbringung dieser Menschen aufzustellen“, sagte Giorgos Koumoutsakos vom Migrationsministerium dem Sender SKAI TV.

          Europa ist sich uneins

          Die Bevölkerung von Lesbos mit seinen 85.000 Einwohnern, die anfangs die vielen Flüchtlinge freundlich aufgenommen und ihnen geholfen hatten, hat über die Jahre eine zunehmend ablehnende Haltung entwickelt. Nach Ausbruch der Brände im Lager Moria hatten manche Griechen sogar die Zugänge zu naheliegenden Orten für Flüchtlinge blockiert.

          Die griechische Präsidentin Katerina Sakellaropoulou erklärte am Donnerstag, die Probleme müssten ohne „Verzögerung, Schwarze-Peter-Spiel, Kriegsgeschrei“ gelöst werden. Vor allem dürfe „Europa nicht wegsehen“. Das Flüchtlingsthema sei in erster Linie ein europäisches Problem.

          In der EU ist aber wie schon seit Jahren umstritten, wie die Flüchtlinge in den südlichen Mitgliedstaaten auf andere Länder verteilt werden könnten. Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), nannte die EU-Flüchtlingspolitik am Donnerstag eine „europäische Schande“. Sie plädierte im ZDF dafür, dass sowohl Deutschland jetzt schnell Flüchtlinge aus Moria aufnimmt und zugleich weiter nach einer europaweiten Lösung gesucht wird.

          Sie nannte es „absurd“, dass viele Städte und Gemeinden in Deutschland bereit seien, Flüchtlinge aufzunehmen, was sie wegen des Widerstands in Berlin aber nicht dürfen.

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