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Verteidigung der Ukraine : Wer jetzt welche Panzer liefern will

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Offenbar wollen die USA liefern: amerikanische Abrams-Panzer vom Typ M1 Bild: AFP

Kiew argumentiert, das Land brauche Hunderte Panzer schwerer Bauart, um den Angriff Russlands wirksam abwehren zu können. Deutschland will vorerst 14 Leopard-Panzer liefern. Was haben die anderen Länder zugesagt? Ein Überblick.

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          Deutschland ist nicht das einzige Land, das inzwischen bereit ist, der Ukraine zur Verteidigung gegen den Angriff Russlands schwere Panzer zur Verfügung zu stellen. Die Ukraine fordert sie schon lange. Doch welche Geräte in welcher Stückzahl sind gerade in der Diskussion? FAZ.NET gibt einen ersten Überblick.

          Deutschland

          Nach langem Zögern gibt die Ampelkoalition in Berlin ihren Widerstand gegen eine Lieferung des Panzers Leopard 2 auf. Deutschland liefert der Ukraine „in einem ersten Schritt“ 14 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 A6. Das teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch mit. Zuerst hatte die Zeitschrift „Der Spiegel“ darüber berichtet. Die ersten Leopard-Kampfpanzer könnten nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in etwa drei Monaten in der Ukraine sein. Einem Sprecher seines Ministeriums zufolge soll die Ausbildung der ukrainischen Panzerbesatzungen schon in wenigen Tagen beginnen.

          Darüber hinaus wird die Bundesregierung anderen NATO-Staaten wie Polen erlauben, die in Deutschland produzierten Panzer an die Ukraine zu exportieren. Der Leopard 2 wird seit Ende der Siebzigerjahre in Deutschland gebaut, laut Herstellerangaben lief er mehr als 3500-mal vom Band. Es gibt eine Vielzahl an Varianten.

          Vereinigte Staaten 

          Die USA liefern 31 Abrams-Kampfpanzer vom Typ M1 an die Ukraine. Ukrainische Soldaten sollten so schnell wie möglich in die Bedienung des Panzers eingewiesen werden, gibt Amerikas Präsident Joe Biden bekannt. Die Zusage war für Berlin wichtig, das international nicht isoliert handeln wollte. Der vom Rüstungskonzern General Dynamics produzierte Abrams gilt in seiner neuesten Ausführung als einer der modernsten Panzer weltweit. Der Turbinenantrieb mit einer Stärke von 1500 PS bringt den Panzer auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 Kilometern pro Stunde, Hauptwaffe ist eine 120-Millimeter-Kanone. Der Panzer ist allerdings mit einem Gewicht von knapp 67 Tonnen sehr schwer und verbraucht große Mengen Treibstoff. 

          Im Verlauf der Jahrzehnte haben die Vereinigten Staaten den Abrams an Australien, Ägypten, den Irak, Marokko, Kuwait und Saudi-Arabien verkauft. Im vergangenen Jahr bestellte Polen 250 Abrams-Panzer, und erst vor wenigen Wochen besiegelte die Regierung in Warschau eine weitere Bestellung von 116 der Panzer älterer Bauart, die schneller geliefert werden können. Präsident Joe Biden hat für den Mittwochabend (18 Uhr mitteleuropäische Zeit) eine Erklärung angekündigt. 

          Frankreich

          Die Regierung erwägt, Panzer des Typs Leclerc zu liefern. Alle Optionen lägen auf dem Tisch, hieß es zuletzt. Bisher hatte Frankreich gezögert und erklärt, es stünden wegen einiger Missionen im Ausland nur eine begrenzte Anzahl von Panzern zur Verfügung.

          Großbritannien

          Großbritannien hat bereits am 14. Januar die Lieferung von 14 Challenger-Panzern zugesagt. Damit ist die britische Regierung die erste, die der Ukraine Kampfpanzer liefern will.

          Polen 

          Die Regierung in Warschau hatte am Dienstag in Berlin offiziell den Antrag zur Export-Erlaubnis von 14 Leopard-Panzern in die Ukraine eingereicht. Deutschland erlaubt die Weitergabe.

          Tschechien

          Die Tschechische Republik kündigte am Dienstag an, nicht zugunsten der Ukraine auf die Leopard-2-Kampfpanzer verzichten zu wollen, die Deutschland im Zuge eines Ringtauschs zugesagt hat. „Es ist jetzt nicht möglich, die Leoparden weiterzuschicken, weil wir diese Panzer für unsere Sicherheit brauchen“, sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala nach einem Treffen mit Scholz in Berlin.

          Tschechien hatte der Ukraine im vergangenen Jahr Dutzende T-72-Kampfpanzer sowjetischer Bauart zur Verfügung gestellt. Die Bundesregierung sagte der Regierung in Prag dafür im Zuge des sogenannten Ringtauschs 14 Leopard-2-Panzer und einen Bergepanzer zu. Der erste Leopard wurde im vergangenen Dezember geliefert.

          Norwegen

          Zeitungsberichten zufolge erwägt auch Norwegen eine Abgabe von Leopard-Panzern.

          Finnland

          Die finnische Regierung hat erklärt, sie werde sich einer Panzerlieferung anderer Länder anschließen. Der Umfang sei jedoch begrenzt, da Finnland bisher nicht der NATO angehöre und darum seine eigene Verteidigung nicht gefährden dürfe.

          Niederlande

          Ministerpräsident Mark Rutte zeigte sich am Dienstag offen dafür, 18 von Deutschland geleaste Leopard-2-Panzer in die Ukraine zu schicken. „Wir haben sie geleast, das heißt, dass wir sie kaufen können, das heißt, dass wir sie spenden können“, sagte er der F.A.Z. und anderen Medien in Brüssel.

          Spanien

          Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles hat die Bereitschaft ihres Landes zur Lieferung von Leopard-2-Panzern an die Ukraine erklärt.

          Das sagt die Ukraine

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag zurückhaltend auf Berichte über die Zusage von Kampfpanzern aus deutscher Produktion reagiert. „Viele Bemühungen, Worte, Versprechen“, sagte er am Abend in einer Videoansprache. Wichtiger sei, die Realität zu sehen. „Es geht nicht um fünf oder zehn oder fünfzehn Panzer. Der Bedarf ist größer.“ Die Ukraine bemühe sich täglich, den Mangel an schweren Kampfpanzern auszugleichen. „Und ich danke jedem Einzelnen von Ihnen, der uns dabei unterstützt.“ Die Diskussionen um die Lieferung von Panzern müssten jetzt in Entscheidungen münden, forderte Selenskyj.

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