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Léon Gautier : Frankreichs D-Day-Veteran

Léon Gautier am Strand von Colleville-Montgomery Bild: AFP

Léon Gautier ist einer von nur 177 Franzosen, die am D-Day in der Normandie anlandeten. Das grüne Barett trägt er bis heute - mit großem Stolz. Dabei wurde er nach Kriegsende nicht als Held empfangen.

          Schon als Erstklässler in der Bretagne, erinnert sich Léon Gautier, lernte er die Marseillaise. Wenn die französische Nationalhymne an diesem Freitag am Strand von Ouistreham ertönt, hat sie für den 91 Jahre alten Veteranen einen ganz besonderen Klang. Der 1922 in Rennes geborene Gautier ist einer von 177 Franzosen, die am D-Day in der Normandie anlandeten. Das grüne Barett, die Mütze seines von den Briten ausgebildeten Elitekommandos, trägt er bis heute mit großem Stolz. Angesichts des enormen Truppenaufgebots der Alliierten waren die Soldaten des „Kommando Kieffer“ eine verschwindend kleine Zahl.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Aber gerade in Zeiten tiefer nationaler Verunsicherung besinnt sich Frankreich auf Männer wie Gautier, die nicht aufgaben und für die Freiheit ihres Heimatlandes zu sterben bereit waren. Gautier erinnert sich noch genau an die Worte seines französischen Kommandanten Philippe Kieffer am Vortag des 6. Juni: „Vielleicht nicht einmal zehn von uns werden da wieder lebend herauskommen“.

          Der Kommandant selbst wurde gleich in den ersten Stunden des Gefechts schwer verletzt, wie die meisten von Gautiers Kameraden. 17 fielen in dieser für den Zweiten Weltkrieg entscheidenden Schlacht, zehn von ihnen am D-Day. Gautier hat seither immer wieder Schülern und anderen Besuchern in Ouistreham von „dem längsten Tag“ in der Normandie berichtet.

          Auf seine Initiative geht das kleine Museum an der Hauptverkehrsstraße in dem normannischen Seebad zurück, das ganz dem „Kommando Kieffer“ gewidmet ist. Das Interesse an den Franzosen des 6. Juni ist mit den Jahren gewachsen, hat Gautier beobachtet. Elf Veteranen zählt das Kommando Kieffer noch, nicht alle können aus gesundheitlichen Gründen bei der Gedenkfeier dabei sein.

          Nach Kriegsende wurden Gautier und seine Kameraden nicht als Helden in Frankreich empfangen. Für den General de Gaulle hatten sich nur die eigenen Truppen des „Freien Frankreich“ bei der Befreiung der Heimat ausgezeichnet. Die Landung in der Normandie blieb für den Staatsgründer ein schmachvolles alliiertes Unterfangen, von dem er ausgeschlossen gewesen war. „Für die Regierung existierten wir nicht“, blickt Gautier auf seine ersten Wochen im Frankreich der Stunde Null zurück. Gemeinsam mit seiner britischen Frau Dorothy schlug sich der gelernte Kfz-Mechaniker durch, zunächst in Frankreich, dann in Großbritannien, später arbeitete er in Kamerun.

          Erst als Rentner zog er 1992 nach Ouistreham, um vor Ort zu sein, wenn sich die Kameraden des Kommando Kieffer mit britischen und anderen Veteranen trafen. Mit Deutschen hatte Gautier lange keinen Kontakt, bis er zum regelmäßigen Gast des „Chateaubriand“ wurde, eines von dem Deutschen Johannes Börner geführten Gasthofes in Ouistreham. Börner hatte als Fallschirmjäger in der Normandie gekämpft, im Kessel von Saint-Lô wurde er gefangengenommen. Der Leipziger blieb auch nach der Kriegsgefangenschaft in Frankreich und heiratete eine Französin. Gautier pflegt seit vielen Jahren eine freundschaftliche Beziehung zu Börner – nur über die Kriegserinnerungen sprechen sie nicht.

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