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Leila Ben Ali : Hinter dem saudischen Schleier

Soviel Freizügigkeit wird es im Exil nicht geben: Ben Ali mit seiner Frau Leila Bild: ASSOCIATED PRESS

Für Leila Ben Ali gilt wörtlich, dass sie im saudischen Exil ihr Gesicht nicht zeigen darf. Aber auch ihrem Mann ist es verboten, Kontakte zu pflegen und sich öffentlich zu äußern.

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          Nun sitzt Ben Ali in einem Käfig, wenn auch einem vergoldeten. Sein Flugzeug landete in der Nacht zum Samstag gerade in der saudischen Hafenstadt Dschiddah, da brachten ihn die Saudis schon in einen gut bewachten Palast und erlegten ihm ein absolutes Politikverbot auf. Der libysche Staatschef Gaddafi soll sich nach Angaben des Nachrichtensenders Al Arabija zuvor dafür eingesetzt haben, dass Ben Ali in Malta landen könne. Ohne Erlaubnis setzte das Flugzeug seinen Kurs nach Norden fort. Doch nicht nur der EU-Inselstaat, der zu halbwegs guten Beziehungen zu seinem libyschen Nachbarn gezwungen ist, lehnte es ab, den Diktator aufzunehmen; auch Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate wollten Ben Ali nicht empfangen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Kein Land mit einer bedeutenden tunesischen Diaspora wollte es riskieren, dem Diktator Asyl anzubieten. Dabei hatte Dubai zwei Tage vor Ben Alis Sturz noch dessen Frau Leila aufgenommen. Von dort rief die auf das Ausgeben von Geld spezialisierte Dame den Gouverneur der tunesischen Zentralbank an, 400 Millionen Euro nach Dubai zu überweisen, was dieser nach Rücksprache mit Ben Ali auch tat. Inzwischen ist auch die Gattin des geflohenen Staatschefs in Dschiddah eingetroffen. Als zuvor ihr Mann gelandet war, hatte es sintflutartig geregnet, und in Dschiddah hatten viele gehofft, dass das Flugzeug deswegen nicht landen könne. Sie wollten nicht, dass ihr Land zu einem Zufluchtsort für gestürzte Diktatoren wird. Ugandas Diktator Idi Amin hatte ja auch in Saudi-Arabien seinen Lebensabend verbracht, bis er 2003 starb. Und der korrupte pakistanische Politiker Nawaz Sharif war ebenfalls von 2000 bis 2007 in saudischem Exil.

          Die Mafia des Palasts von Karthago

          Unklar ist vorerst, wie viele Verwandte Ben Ali in seinem Flugzeug mitgebracht hat. Widersprüchlich sind die Meldungen, wer noch am Freitag vor Ben Alis überstürzter Abreise auf dem Flughafen bei dem Versuch, das Land zu verlassen, verhaftet worden sein könnte. Einige Medien berichten, Sachr Mutairi, ein Schwager Ben Alis und mutmaßlich hoch korrupt, sei festgenommen worden; Vertraute des Mannes behaupten dagegen, er sei in Dubai. Ein Pilot der tunesischen Fluggesellschaft sagte wiederum einem tunesischen Fernsehsender, er habe sich geweigert, am Freitagnachmittag den Linienflug nach Lyon zu starten, als er erfahren habe, dass sich Verwandte von Ben Ali, der zu dem Zeitpunkt noch Präsident war, an Bord befänden.

          Reaktionen: Studenten in Jemen rufen zum Sturz anderer Diktatoren auf
          Reaktionen: Studenten in Jemen rufen zum Sturz anderer Diktatoren auf : Bild: AFP

          Der Zorn der Tunesier richtete sich insbesondere gegen die Familie von Ben Alis Frau, Leila al Tarablusi. Sie soll versucht haben, eine junge Verwandte von ihr mit dem Emir von Dubai, Muhammad Bin Rashid Al Maktoum, zu verheiraten. Damit brachte sie aber das jordanische Königshaus gegen sich auf, weil Muhammad mit einer Schwester des jordanischen Königs verheiratet ist. Laut Dokumenten, die Wikileaks veröffentlichte, hatte sie auch die Ausbürgerung und Enteignung der Frau des verstorbenen Palästinenserführers Arafat, Suha Aafat, angeordnet. In Tunesien ist aber ihre Familie besonders verhasst, weil ihre Brüder und Cousins ihre Macht missbraucht haben, um weite Teile der tunesischen Wirtschaft zu kontrollieren und sich zu bereichern. Der Volksmund nannte sie „die Mafia des Palasts von Karthago“ und die „Tarabulsi-Bande“. Aufgrund ihrer Immunität waren sie strafrechtlich nicht belangbar.

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