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Lefebvre-Bruderschaft : Holocaust-Leugner Williamson entschuldigt sich

  • -Aktualisiert am

Der britische Bischof der Pius-Bruderschaft Richard Williamson Bild: dpa

Der wegen seiner Holocaust-Leugnung umstrittene Bischof Richard Williamson hat sich bei Papst Benedikt XVI. entschuldigt für „das Leid“, das er mit seiner Äußerung verursacht habe. Zuletzt leitete er ein Priesterseminar der Lefebvre-Bruderschaft nahe Buenos Aires.

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          La Reja ist ein ruhiger Flecken bei der Stadt Moreno, 50 Kilometer westlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gelegen. In La Reja steht, in respektvoller Entfernung zu jeglicher Behausung, ein stattliches Kirchengebäude, weitab vom Lärm der Welt. Es ist die rechte Idylle für eine religiöse Gemeinschaft, um ungestört ihre Rituale zu pflegen. In der Abgeschiedenheit von La Reja hatte sich deshalb auch eine der wunderlichsten religiösen Bewegungen eingenistet, von der bis vor wenigen Tagen vielen Argentiniern nicht einmal bewusst war, dass sie in ihrem Land heimisch ist.

          Das in malerischem Kolonialstil erbaute Haus birgt eines von sechs Seminaren der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. Der aus Großbritannien stammende, bis vor kurzem exkommunizierte Bischof Richard Williamson, der durch die Leugnung des Holocaust für Aufsehen sorgte, seit er vom Papst rehabilitiert wurde, ist seit sieben Jahren Leiter dieser Ausbildungsstätte im Geist Lefebvres für junge Kleriker.

          Schweigegebot für den umstrittenen Padre

          In den Sommerferien ruht auch der Unterrichtsbetrieb in dem Seminar „Nuestra Señora Corredentora“ (Maria Mittlerin) in La Reja, und deshalb war es zunächst nicht sicher, als die argentinische Öffentlichkeit auf den umstrittenen Gottesmann aufmerksam wurde, ob er sich überhaupt gerade in La Reja aufhält. Der Padre erhole sich gerade, weil ja Ferien seien, lautete die nicht ganz eindeutige Auskunft eines Priesters der Gemeinschaft. Aber selbst wenn er da wäre, würde er auf keinen Fall etwas sagen, fügte der Kleriker hinzu.

          „Nuestra Señora Corredentora”: Das Seminar der Priesterbruderschaft Pius X. in La Reja bei Buenos Aires
          „Nuestra Señora Corredentora”: Das Seminar der Priesterbruderschaft Pius X. in La Reja bei Buenos Aires : Bild: AFP

          Am Freitag haben nun Geistliche, die dem Seminar angehören und Williamson nahestehen, der argentinischen Presse gegenüber bestätigt. Williamson werde entweder auf Grund einer freiwilligen Entscheidung oder auf Anordnung von oben zurücktreten. Der Nachfolger Lefebvres in der Führung der Priesterbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, untersagte Williamson untersagt, sich bis auf weiteres öffentlich zu politischen oder historischen Fragen zu äußern.

          Am Freitagabend aber meldete die Nachrichtenagentur AP Bischof Williamson habe sich bei Papst Benedikt XVI. entschuldigt.für „das Leid“, das er mit seiner Äußerung verursacht habe, erklärte Williamson am Freitag.

          Eine unnahbare Autorität

          Mitglieder des Seminars in La Reja bemerkten, innerhalb der traditionalistischen Klerikergemeinschaft sei die Meinung verbreitet, dass die polemischen Äußerungen Williamsons im vergangenen November von Kreisen im Vatikan publik gemacht worden seien, die gegen die Zurücknahme der Exkommunikation des aus England stammenden und seit Jahren in Argentinien lebenden Geistlichen durch Papst Benedikt XVI. gewesen seien.

          In der argentinischen Öffentlichkeit wird Williamson inzwischen als „el cura nazi“, als „Nazipriester“, tituliert. Die Bewohner von La Reja haben zu dem Seminar und ihrem Chef ein eher pragmatisches Verhältnis. Einige verdanken dem geistlichen Zentrum ihre Einkünfte, weil sie für das Seminar Dienstleistungen erbringen oder Waren dorthin verkaufen. Andere, vor allem ältere Bedürftige, erhalten an manchen Tagen in der Woche an einem Hintereingang, der zur Küche führt, etwas zu essen. Der Padre Williamson gilt in dem Ort als unnahbare Autorität. Er empfange grundsätzlich keine Außenstehenden.

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