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Lee Myung-bak : Unter Druck

Lee Myung-bak Bild: REUTERS

Seit seinem Amtsantritt ist Südkoreas Präsident Lee bevorzugtes Hassobjekt nordkoreanischer Propaganda. Einen wirklich harten Kurs gegenüber Pjöngjang schlug er aber nicht ein. Dabei wollte er ein Ende machen mit der angeblich gescheiterten „Sonnenscheinpolitik“ seiner Vorgänger.

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          Um vollmundige Versprechungen ist Lee Myung-bak nicht verlegen. Im Wahlkampf 2007 prognostizierte er seinen Landsleuten ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent pro Jahr, wenn sie ihn nur zum Präsidenten wählten. Das taten sie mit überzeugender Mehrheit. Aber die weltwirtschaftlichen Umstände ließen die Vorhersagen dann schnell in den Archiven verschwinden. Aber noch ein zweites Wahlversprechen könnte Lee Myung-bak in diesen Tagen unangenehm aufstoßen.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Er wolle endlich ein Ende machen mit der – wie er sagte gescheiterten – „Sonnenscheinpolitik“ seiner beiden Vorgänger gegenüber Nordkorea. Nicht zuletzt mit dieser Ankündigung gewann er die Sympathie der Konservativen in seiner „Großen Nationalpartei“ (GNP). Nach Amtsantritt war Lee zwar bevorzugtes Hassobjekt der nordkoreanischen Propaganda, aber einen wirklich harten Kurs gegenüber Pjöngjang schlug er nicht ein.

          „Resolute Schritte“

          Die neueste Ankündigung Lee Myung-baks heißt „resolute Schritte“. Die sollen wieder gegenüber Nordkorea eingeleitet werden, aus guten Gründen. Nordkorea hat, so das Ergebnis einer internationalen Untersuchung, im März ein südkoreanisches Kriegsschiff versenkt. Dabei kamen 46 südkoreanische Soldaten ums Leben. Die Untersuchungsergebnisse werden den Druck auf Lee erhöhen, den Ankündigungen diesmal Taten folgen zu lassen, wobei auch Lees Kritiker wissen, dass er nicht gut einen Krieg anfangen kann. Innerhalb der GNP formieren sich die unterschiedlichen Fraktionen schon für den Präsidentschaftswahlkampf 2012. Nach der Verfassung kann der Präsident nicht wiedergewählt werden. Wenn Lee einen seiner Gefolgsleute ins „Blaue Haus“ bringen will, muss er sich jetzt bewähren.

          Untersuchungskommission : Nordkorea versenkte südkoreanisches Schiff

          Mit schwierigen Situationen kann der 68 Jahre alte vierfache Familienvater durchaus umgehen. Zwischen 2002 und 2006 regierte er als Chef der Stadtregierung den Moloch Seoul. In diesem Amt erwarb er sich seinen Ruf als „Macher“, der auch einen Sinn für ungewöhnliche Projekte hat. So ließ er einen kleinen Fluss im Stadtzentrum, der von einer Autobahn überbaut gewesen war, wieder erstehen. So kann man heute mitten im Verkehrschaos etwas genießen, was vielen Städtern schon als Natur erscheinen muss.

          Weiter zurück liegt Lees Karriere als Manager. Beim Hyundai-Konzern arbeitete er sich durch die Hierarchie bis weit nach oben. Nicht zuletzt seine Leistungen an der Spitze dieses Unternehmens (1977 bis 1992) festigten das Vertrauen in seine Fähigkeiten. Dem konnten auch die in der südkoreanischen Politik anscheinend unvermeidlichen Skandale nicht nachhaltig Abbruch tun. Weiterhin ist nicht völlig geklärt, welche Geschäfte Lee wann, wo und mit wem gemacht hat. Strafrechtlich relevante Tatbestände kamen bis jetzt jedenfalls nie zu Tage.

          Die Krise um das versenkte Schiff könnte Lee einen Höhepunkt seiner Amtszeit verderben. Im Herbst dieses Jahres ist Südkorea Gastgeber des Gipfeltreffens der G-20-Staaten; ein Termin wie geschaffen für den Unternehmer Lee Myung-bak.

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