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Geiselnahme in Frankreich : Lebensgefährtin des Geiselnehmers war auch Gefährderin

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In dem Supermarkt nahm der Islamist mehrere Geiseln und tötete drei Menschen. Bild: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Nicht nur der Geiselnehmer von Trèbes war in der Gefährder-Datenbank der französischen Behörden. Jetzt wurde bekannt, dass auch seine Lebensgefährtin beobachtet wurde.

          Schon kurz nach der Geiselnahme im südfranzösischen Trèbes am Freitag war klar, dass die Behörden den Täter unter Beobachtung hatten. Jetzt berichten französische Medien: Die Lebensgefährtin des Geiselnehmers in Südfrankreich war ebenso in der Gefährder-Datenbank verzeichnet. Die Berichte wurden der Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Justizkreisen bestätigt.

          Der 25 Jahre alte Islamist tötete am Freitag bei mehreren Angriffen in der Region Carcassonne insgesamt vier Menschen. Zuerst stahl er in Carcasonne ein Auto und tötete den Fahrer, dann schoss er auf eine Gruppe Polizisten. Im Anschluss nahm er in Trèbes mehrere Geiseln, drei davon tötete er. Er wurde von Spezialkräften erschossen. Später nahm die Polizei seine Lebensgefährtin in Gewahrsam.

          Unter den Todesopfern ist auch ein Polizist, der sich als Austauschgeisel zur Verfügung gestellt hatte. Oberstleutnant Arnaud Beltrame soll am Mittwoch (11.30 Uhr) mit einer Zeremonie am Pariser Invalidendom geehrt werden. Staatspräsident Emmanuel Macron wird, wie es bei einer nationalen Gedenkfeier üblich ist, die Trauerrede halten. Es werden die Familien des Oberstleutnants und der drei weiteren Opfer der Anschläge vom vergangenen Freitag erwartet, wie der Élyséepalast am Montag mitteilte.

          Der Gendarmerieoffizier hatte sich bei dem Angriff eines 25 Jahre alten Islamisten auf einen Supermarkt in der Nähe von Carcassonne gegen Geiseln eintauschen lassen. Er wurde angeschossen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Insgesamt gab es vier Todesopfer. Macron hatte bereits am Samstag die Gedenkfeier für Beltrame angekündigt – bisher gab es aber noch keinen offiziellen Termin dafür.

          Täter bereits seit 2014 unter Beobachtung

          Der Angreifer hatte sich als „Soldat“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bezeichnet. Der IS reklamierte die Attacken anschließend für sich. Nach Angaben des Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins hatte eine Überprüfung des Täters 2016 und 2017 keine Anzeichen ergeben, dass er einen Terrorakt begehen würde. Der Täter soll zudem seit 2014 unter Beobachtung gestanden haben.

          Konservative und Rechtspopulisten haben jetzt Präsident Emmanuel Macron Nachlässigkeit im Anti-Terror-Kampf vorgeworfen. Die Mitte-Rechts-Partei Les Républicains sprach am Montag von einer „schuldhaften Naivität“. Parteichef Laurent Wauquiez forderte, den Anfang November ausgelaufenen Ausnahmezustand wieder zu verhängen und mutmaßlich gefährliche Islamisten zu internieren. Diejenigen, die keine Franzosen sind, sollten sofort abgeschoben werden. „Wir müssen sie außerstande setzen, Schaden anzurichten, bevor sie das Blut von Unschuldigen vergießen.“ Auch die Rechtspopulistin Marine Le Pen forderte die Ausweisung mutmaßlicher ausländischer Gefährder. Macron warf sie vor, das Ausmaß der Terrorgefahr nicht erkannt zu haben.

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