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François Fillons Fehltritt : Le Pen in Champagner-Laune

Sie sind seit 1980 verheiratet und haben fünf Kinder: Penelope und François Fillon. Bild: AFP

Marine Le Pens gefährlichster Gegner steht wegen der Affäre um die Beschäftigung seiner Ehefrau unter Druck. Besser hätte es für den Front National nicht kommen können. Die Rechtsextremen warten einfach auf François Fillons Selbstdemontage.

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          Marine Le Pen kann sich in Schweigen hüllen. Die Affäre um die mutmaßliche Scheinbeschäftigung Penelope Fillons treibt ihr auch ohne Worte enttäuschte Anhänger des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu. „Nach dem Penelopegate geben viele rechte Wähler an, dass sie fortan für Marine stimmen wollen“, triumphiert die Unterstützergruppe Avec Marine in den sozialen Netzwerken. Le Pens Wahlkampfdirektor David Rachline, der die Kommunikationsstrategie der Rechtspopulisten orchestriert, hat die Parole „weniger ist mehr“ herausgegeben. Deshalb halten sich die FN-Wortführer auffallend mit direkten Angriffen auf François Fillon zurück.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Das ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass die Partei im Europäischen Parlament selbst in Korruptionsverdacht bei der Beschäftigung der parlamentarischen Mitarbeiter geraten ist. Die FN-Führungsriege hält die Selbstdemontage Fillons für wirkungsvoller als neue Attacken auf seinen mutmaßlichen Bereicherungsversuch. Rachline ließ es sich indessen nicht nehmen, hämisch die verpatzte Verteidigungsstrategie Fillons zu kommentieren. „Hat der selbsterklärte Kandidat der Rechtschaffenheit wirklich nichts anderes zu den Vorwürfen zu sagen?“, fragte Rachline. „Tous pourris“, „alle verdorben“, ist seit langem der Leitspruch, mit dem der Front National Wähler anzieht.

          Das „Penelope-Gate“ entfaltete in der Endphase der sozialistischen Vorwahlen ungeahnte Bindungskräfte. Benoît Hamon, der Frondeur vom Linksflügel, und Manuel Valls, der ehemalige Premierminister, waren sich beim Fernsehduell am Mittwochabend einig, dass es ein Arbeitsverbot für Familienmitglieder im Parlament geben müsse. Das erwartete Wortgefecht der beiden Kontrahenten blieb allerdings aus. Die Führungsriege um den bedrängten Präsidentschaftskandidaten Fillon versuchte am Donnerstag unterdessen verzweifelt, das Krisenmanagement wieder in Griff zu bekommen.

          Fillons Anwalt Antonin Levy übergab den Ermittlern am Donnerstag Dokumente, die Penelope Fillons Tätigkeit als parlamentarische Mitarbeiterin ihres Mannes belegen sollen.

          Bruno Retailleau, der Fraktionsvorsitzende im Senat, kündigte „Arbeitsnachweise“ an, um die Tätigkeit Penelope Fillons als parlamentarische Mitarbeiterin ihres Mannes zu belegen. Fillons Anwalt werde diese „so schnell wie möglich“ der für Finanzkriminalität zuständigen Staatsanwaltschaft in Paris übergeben, sagte Retailleau im Radio. Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen aufgenommen, um zu klären, ob es zu einer Veruntreuung öffentlicher Gelder gekommen ist.

          Penelope Fillon soll zwischen 1998 und 2012 mit Unterbrechungen insgesamt eine halbe Million Euro von der Nationalversammlung erhalten haben. François Fillon wollte sich am Donnerstagabend in den Hauptabendnachrichten Fragen dazu stellen. Seine Sprecherin, die Abgeordnete Valérie Boyer, scheiterte bereits jämmerlich bei dem Versuch, ihn zu verteidigen. „Ich habe auch meinen Sohn beschäftigt“, sagte sie. „Aber für Arbeit, die er auch geleistet hat“, fügte Boyer hinzu.

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