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Nach israelischen Angaben : Mehr als tausend Raketen auf Israel

  • Aktualisiert am

Israelische Abwehrraketen sollen in der Nacht in Gaza Geschosse abfangen. Bild: Ibraheem Abu Mustafa/Reuters

In der Nacht spitzt sich der Konflikt zu. Aus dem Gazastreifen feuern militante Palästinenser noch mehr Raketen Richtung Tel Aviv und töten weitere Menschen. Bei Israels Gegenangriffen werden Extremisten und Zivilisten getötet.

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          Nach nächtlichen Angriffen mit Toten auf beiden Seiten ist ein Ende der Gewaltspirale in Nahost nicht absehbar: Die israelische Armee hat am Mittwochmorgen nach massivem Beschuss aus dem Gazastreifen Luftangriffe gegen die Häuser mehrerer Anführer der radikalislamischen Hamas geflogen. Bei Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen waren zuvor fünf Israelis getötet worden, die Behörden in Gaza meldeten 35 Todesopfer. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Montag mehr als tausend Raketen auf Israel abgefeuert.

          Als Reaktion auf den Beschuss aus dem Gazastreifen flog die israelische Armee die schwersten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014. Auch der Hauptsitz der Polizei im Gazastreifen sei dabei getroffen worden, teilte das Militär am Mittwochmorgen mit.

          Die militanten Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und Hamas hatten zuvor mehrere israelische Städte mit Hunderten Raketen attackiert. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Montagabend insgesamt mehr als tausend Geschosse auf Israel abgefeuert. 850 davon wurden demnach von der Raketenabwehr abgefangen oder landeten auf israelischem Gebiet. Etwa 200 weitere Raketen landeten demnach im Gazastreifen.

          In der Stadt Lod bei Tel Aviv wurden ein Mann und ein Mädchen durch Raketen aus dem Gazastreifen getötet. Ihr Auto sei von einem Geschoss getroffen worden, teilte die israelische Polizei am Mittwoch mit. Zwei weitere Frauen aus Israel waren am Dienstag in der israelischen Küstenstadt Aschkelon getötet worden, eine Frau starb bei einem Raketenangriff nahe Tel Aviv.

          Feuer in Khan Yunis im südlichen Teil des Gazastreifens am 12. Mai nach einem israelischem Gegenangriff
          Feuer in Khan Yunis im südlichen Teil des Gazastreifens am 12. Mai nach einem israelischem Gegenangriff : Bild: AFP

          Die radikalislamische Hamas hatte in der Nacht zu Mittwoch nach eigenen Angaben erneut dutzende Raketen in Richtung Israel abgefeuert. 110 Geschosse richteten sich demnach gegen Tel Aviv, 100 weitere gegen die Stadt Beerscheva. Die Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad feuerte nach eigenen Angaben hundert Raketen auf Israel ab.

          Bei den israelischen Vergeltungsangriffen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen seit Montagabend 35 Palästinenser getötet, unter ihnen zwölf Kinder. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden.

          Alarmsirenen heulen

          In Lod verhängten die israelischen Behörden in der Nacht zu Mittwoch den Ausnahmezustand. Zuvor war es in der im Zentrum des Landes gelegenen Stadt laut der israelischen Polizei nach dem gewaltsamen Tod eines arabischen Israelis zu „Ausschreitungen“ der arabischen Minderheit gekommen.

          In Tel Aviv und in umliegenden Städten heulten die Alarmsirenen, am internationalen Flughafen von Tel Aviv wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.

          Die Hamas erklärte, die Raketenangriffe seien die Antwort auf einen israelischen Luftangriff, bei dem zuvor ein Hochhaus im Gazastreifen zerstört worden war. Das zwölfstöckige Haus im Stadtzentrum von Gaza, in dem sich auch mehrere Büros der Hamas befanden, stürzte vollständig ein. Über Tote oder Verletzte lagen zunächst keine Angaben vor.

          Im von Israel besetzten Westjordanland wurde derweil nach palästinensischen Angaben ein Palästinenser von der israelischen Armee erschossen. Ein weiterer Palästinenser wurde demnach verwundet. Bei den Männern soll es sich um Mitglieder des palästinensischen Geheimdienstes gehandelt haben.

          Lage in Jerusalem

          Auch in der Jerusalemer Altstadt blieb die Lage angespannt. Bei den heftigsten Zusammenstößen seit Jahren zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern in Ost-Jerusalem waren in den vergangenen Tagen hunderte Palästinenser und dutzende Polizisten verletzt worden.

          Israels Verteidigungsminister Benny Gantz sagte, die bisherigen Luftangriffe seien „erst der Anfang“. Die Armee habe noch „viele weitere Ziele“ im Gazastreifen im Visier. Hamas-Führer Ismail Hanijeh sagte, falls Israel die Lage eskalieren lassen wolle, „dann sind wir bereit dafür“.

          Trotz der schlimmsten Angriffe seit Jahren verhallten alle Appelle zur Zurückhaltung bislang ungehört. Der UN-Sicherheitsrat kündigte eine Dringlichkeitssitzung für Mittwoch an. Auch Ägypten und Qatar, die bereits in früheren Konflikten zwischen Israel und der Hamas vermittelt hatten, bemühten sich diplomatischen Quellen zufolge um eine Beruhigung der Lage.

          Die französische Regierung appellierte an die Vereinigten Staaten, sich um eine Deeskalation zu bemühen. Washington habe den größten diplomatischen Einfluss, sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune am Mittwoch dem TV-Sender France 2. Aber auch Europa müsse „präsenter“ sein, um schnell ein Ende der Gewalt zu erreichen.

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